Die Bündner Jagd und ihr angekratztes Image

«In Graubünden ist ein Krieg ausgebrochen.» Dies schreibt ein Kommentator in der «Südostschweiz» über die Jagd-Befürworter und die Jagd-Gegner. Das sei masslos übertrieben, findet Robert Brunold, Zentralpräsident des Bündner Kantonale Patentjäger-Verband (BKPJV).

In den letzten Tagen berichteten Medien in Graubünden verschiedentlich über eine Tierschützerin, die von einem Jäger bedroht worden sei. Die Frau reichte bei der Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Körperverletzung ein. Im Gespräch versichert Robert Brunold, er wisse nicht mehr über die Geschichte, als in den Medien zu lesen war. Für das Image der Jagd seien solche Schlagzeilen aber sehr schlecht.

«  Wir versuchen unsere Mitglieder zu sensibilisieren. Damit man - auch wenn man provoziert wird - nicht mit Gewalt reagiert, sondern mit Argumenten. »

Robert Brunold
Präsident Jägerverband

Er wisse von Jägern, die in gewissen Situationen bis auf das Blut provoziert werden. Da sei es nicht immer einfach ruhig zu bleiben.

Robert Brunold

Bildlegende: Robert Brunold an seiner ersten Delegiertenversammlung als Zentralpräsident im Mai. zvg

Zwei Initiativen zur Abschaffung der Sonderjagd

Eine Initiative aus Jägerkreisen, welche die Abschaffung der Sonderjagd fordert, wurde von der Bündner Regierung als ungültig erklärt. Die Initianten ziehen nun aber möglicherweise vor Gericht. Eine zweite Initiative fordert ebenfalls die Abschaffung der Sonderjagd, sie stammt allerdings von Tierschützern.

Dazu sagt Robert Brunold: «Ich glaube wenn man die Sonderjagd mit allen Argumenten dafür und dagegen sieht, dann kann man sie schon erklärbar machen.» Es sei aber möglich, dass sich die Jäger stärker auch in der Öffentlichkeit dafür einsetzen sollten.

Gegen eine Volksabstimmung zu einer Sonderjagd-Initiative hat Robert Brunold nichts einzuwenden. Beim Verband bereite man sich jetzt schon auf diese Möglichkeit vor.

Der Wolf

Angesprochen auf den Wolf, der den Jägern teilweise die Beute streitig macht, meint Robert Brunold: «Bis jetzt kannten wir diese Probleme gar nicht.» Man hätte zwar schon mit einzelnen Wölfen zu tun gehabt, aber dass im Calanda-Gebiet nun ein ganzes Rudel unterwegs sei, stelle die Jäger vor neue Herausforderungen.

«Ich begreife die Jäger, die am Calanda jagen und sagen, es sei mühsam.» Ob der Jäger oder der Wolf das grössere Anrecht auf das Wild habe, will der Präsident der Jäger nicht beurteilen. Das sei schwierig. Aber als Jäger zahle man eine Patentgebühr und tue viel für das Wild. Dafür erwarte man eben eine gewisse Gegenleistung. Und bei der Beute sei der Wolf klarer Konkurrent. Den Wolf abschaffen möchte Robert Brunold aber nicht, dies sei ja auch vom Gesetz her nicht vorgesehen.