Die einsamen Bünder 68er

Historikerin Silke Redolfi erforscht die Bündner 68er. Mit ihrer Arbeit zeigt sie auf, wie eine Generation Graubünden verstört, verängstigt und verändert hat. Weiter erklärt sie auch warum die Revoluzer von damals einsam geworden sind.

«Die 68er sind eine wichtige Generation für Graubünden, diese Menschen haben bewegt und verändert». Mit diesem Satz erklärt Silke Redolfi warum sie die 68er Generation zum Forschungsthema gemacht hat.

Ausschnitt aus einer Zeitschrift

Bildlegende: Die Streitschrift «Viva» wurde das Sprachrohr der Bündner 68er. zvg

Gemeinsam sei den Menschen damals der Wunsch nach Veränderung gewesen. In Chur gab es die ersten beiden Kommunen Graubündens. Hier probierten junge Leute neue Lebensformen aus, sie konsumierten Drogen, sie engagierten sich auch politisch.

Die Publikation «Viva» hat damals für eine Öffnung der Medienlandschaft gesorgt, so Silke Redolfi. Auch der Kampf für die Umwelt wurde zur Mission. Viele 68er kämpften zum Beispiel Seite an Seite mit den Bauern gegen die Trockenlegung des Rheins.

Die Skepsis in der Gesellschaft war gross. Betroffen war zum Beispiel Anna Ratti, eine der prominenten Persönlichkeiten dieser Bewegung. Sie sei zum Feindbild stilisiert worden, erzählt Silke Redolfi: «Als rote Ratte war sie sogar Ziel einer Militärübung».

«Auch heute noch sind die 68er agil und sie haben weiterhin eine Massage», sagt Silke Redolfi weiter. Doch sie beobachte auch, dass sie sehr einsam und isoliert seien in der heutigen stark konsumorientierten Welt.

SRF 1, Regionaljournal Graubünden, 17.30 Uhr