Eissicherheit: Das Problem sind lokale Schwachstellen

Mitte Februar brach überraschend ein Pistenbully auf dem Silvaplanersee ein. Der Fahrer starb. Wann ist ein See sicher, was sind mögliche Schwachstellen? Im Gespräch erklärt Wissenschaftler Martin Funk, wie er die Eissicherheit überprüft, was Risiken sind und wieso wenig dazu geforscht wird.

Martin Funk ist Professor an der ETH Zürich bei der Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie. Als Experte unterstützt er die Stadtpolizei Zürich bei der Beurteilung des gefrorenen Zürichsees.

Neben der Dicke des Eises sei vor allem die Qualität zentral. Dabei setzt Funk auf Erfahrungswissen, an welchen Orten das Eis schwächer ist, und er schneidet an verschiedenen Stellen Eisblöcke aus der Fläche.

«Es gibt lokale Schwachstellen, die das Wachstum des Eises stören». Das könnten warme Wasserquellen sein aber auch Faulgas, das am Seegrund entstehe. Solche Stellen seien beispielsweise beim Klöntalersee bekannt.

Aber, sagt Martin Funk: «Flächendeckend die Eisdecke messen, ist nicht möglich». Es gebe Technologien mit Radar, doch sei es Glückssache, eine Schwachstelle von wenigen Quadratmetern zu entdecken.

Besonders bei der Seegfrörni 1963 des Zürichsees habe die ETH Experimente durchgeführt. Seither sei die Forschungsaktivität auf Sparflamme gewesen, sagt der Forscher. Gletscher seien in der Schweiz das deutlich wichtigere Forschungsthema.

Im Bild: 1963 gefror der Zürichsee zum letzten Mal. Aus dieser Zeit stammen die letzten umfangreichen Forschungen der ETH Zürich zum Thema Eissicherheit.