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Graubünden Firmung ab 18: «Es geht um Freiheit»

Die katholische Kirchgemeinde Chur firmt künftig ab 18 Jahren. In St. Gallen hat man damit bereits Erfahrungen gemacht. In diesem Alter könnten sich die Jugendlichen bewusster für den Glauben entscheiden, heisst es in Chur und St. Gallen. Nicht einverstanden ist der Bischof von Chur.

Eine Firmung
Legende: Die Katholische Kirchgemeinde Chur will Jugendliche ab dem kommenden Jahr erst ab 18 Jahren firmen. zVg

Ab kommendem Jahr findet in der katholischen Kirchgemeinde Chur die Firmung erst ab 18 Jahren statt. Das teilt die Kirchgemeinde mit und lädt gleichzeitig zu einer Informationsveranstaltung ein. Bisher wurden Churer Jugendliche im Alter von 14 bis 16 Jahren gefirmt.

Dies sei zu früh, findet Bruno Kühne von der Fachstelle Jugendarbeit der Katholischen Landeskirche Graubünden. Er selber unterrichtet auch Religion und berichtet von Aussagen wie: «Ich glaube nicht an Gott, aber es gibt ein Fest und ich bekomme viel Geld». Besonders bei Jüngeren gebe der Wunsch der Eltern oder die in Aussicht gestellten Geschenke den Ausschlag, sich firmen zu lassen.

Weniger Firmungen, dafür aus eigenem Willen

Mit dem Projekt «Firmung 18+» wollen die Churer Pfarreien den Jugendlichen die Entscheidung überlassen: «Es geht um eine Freiheit im Geist», sagt Kühne. Im Zentrum sollten spirituelle Fragen, nicht materielle Überlegungen. Der Wunsch ist, dass sich Leute aktiv für den christlichen Glauben entscheiden.

In Chur lassen sich heute 95% der katholischen Jugendlichen firmen. Künftig dürften es deutlich weniger sein, schätzt Bruno Kühne. Er rechnet noch mit einer Firmquote von 70%. Erfahrungen damit hat das Bistum St. Gallen. Es ist gut 10 Jahre her, seit der damalige Bischof Ivo Fürer im Bistum St. Gallen das Firmalter 18 Jahre eingeführt hat.

Die Quote dort ist tiefer als in Chur erhofft: 50% der Jugendlichen würden davon Gebrauch machen, sagt Beni Müggler von der Fachstelle Jugendarbeit am Bistum St. Gallen. Allerdings gäbe es Unterschiede zwischen Stadt und Land. Die Stadt sei anoymer, deshalb würden sich hier auch weniger Jugendliche angesprochen fühlen.

Kritik vom Bischof von Chur

Von der Änderung nicht begeistert ist der Bischof von Chur. Über seinen Sprecher Giuseppe Gracia lässt er ausrichten: «Für uns ist der Einbezug der Eltern das Entscheidende». Die Firmung sei Teil der Erziehung, auch künftig sollten die Eltern die Möglichkeit haben, ihr Kind früher firmen zu lassen. Im Zusammenhang mit dem Firmalter 18 spricht Bistums-Sprecher Gracia deshalb von einer «Bevormundung der Eltern».

Den Entscheid der Katholischen Kirchgemeinde Chur will das Bistum nicht anfechten. Auch würden alle gefirmt, unabhängig vom Alter. In Chur ist Bischof Vitus Huonder selber der Firmspender.«Der Bischof von Chur wird alle freien Entscheide respektieren», sagt Giuseppe Gracia dazu. In Chur findet die Firmung traditionell an Pfingsten statt.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Rudolf Pacik, Salzburg
    Warum gibt es für die Firmung ein Mindestalter, doch für die Taufe nicht? Man versucht hier, die Nachteile der Säuglingstaufe durch ein höheres Firmalter auszugleichen.
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  • Kommentar von erwin Cavegn, 7165 Breil/Brigels
    Ich binn Sakristan und habe selber 7 Kindern. Bei einer Firmung habe ich auch erlebt was die Firmlinge sagen.Was Bruno Kühne sagt stimmt,wegen den Aussagen der Kinder.Ich kann bestätigen dass der Fehler nicht bei den Kindern ist.Der Religionsunterricht ist Mangelhaft.Unseren Kindern habe ich selber Den Firmunterrich ergänzt.Ich binn voll und ganz der Meinung unseres Bischofs Vitus Huonder.Die Eltern müssen dringend einbezogen werden.Die Mitarbeit mit den Kathecheten muss statfinden!!!
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    1. Antwort von Michael Hunziker, 4456 tenniken
      In die Beziehung zu Gott kann mir kein anderer Mensch - sei er nun Bischof, Papst, Vater, Mutter, Bruder oder Schwester - dreinreden. Genau sowenig habe ich das Recht die Beziehung zwischen Gott und meinen Mitmenschen zu beurteilen. Hier liegt die Ursache allen Übels zwischen den Menschen; aber auch die Chance zum dauerhaften Frieden. Es ist aber des Menschen Freiheit, sich für das Eine oder für das Andere zu entscheiden. Das, was wir Gott nennen ist dafür aber nicht verantwortlich!
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