Graubünden kann mit Zweitwohnungs-Kompromiss leben

Gegner und Befürworter der Zweitwohnungsinitiative sind sich näher gekommen. Unter anderem soll es für touristisch bewirtschaftete Wohnungen, die zur Vermietung ausgeschrieben werden, keine Ausnahme vom Bauverbot geben. Die Reaktionen in Graubünden sind geteilt.

Video «Debatte über Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative» abspielen

Debatte über Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative

6:03 min, aus Schweiz aktuell vom 3.3.2015

«Es gibt einige Pfeiler im Entwurf, welche für die Gebirgskantone bedeutend sind», sagt Mario Cavigelli im Interview mit der Sendung «Regionaljournal Graubünden» von Radio SRF. Um diese Pfeiler zu sichern, seien die Gebirgskantone bereit, in weniger bedeutenden Bereichen nachzugeben.

Wichtig ist für Cavigelli, dass der Zweck von Wohnungen nicht per se festgelegt ist. So sollen sie als Ferienwohnungen und als Wohnungen für Einheimische genutzt werden können.

Mario Cavigelli ist auch Präsident der Gebirgskantone. Dieses Gremium hatte sich immer für eine möglichst berggebietsfreundliche Umsetzung der Initiative eingesetzt. «Das Zugeständnis mit den ausgeschriebenen Wohnungen schmerzt uns nicht», sagt Cavigelli.

Hotelumnutzungen umstritten

Weniger Freude haben die Bergkantone an den Ausnahmen für alte, marode Hotels. Diese sollen künftig bis zur Hälfte in Zweitwohungen umgenutzt werden können. Das hat der Nationalrat entschieden. «Wir hätten es lieber, wenn Hotels nicht umgenutzt werden können», sagt Cavigelli.

Anders sieht dies Ernst Wyrsch, Präsident von Hotellerie Suisse Graubünden. Für ihn wäre es die beste Lösung, wenn alte Hotels komplett zu Ferienwohnungen hätten umfunktioniert werden können. Wyrsch ist dennoch einigermassen zufrieden: «Statt mich darüber zu ärgern, dass wir nicht 100 Prozent durchgebracht haben, freue ich mich über die 50 Prozent».

Wenn der Nationalrat das Gesetz zu Ende beraten hat, geht es zurück an den Ständerat. Dieser befasst sich nächsten Montag damit. Die Debatte im Nationalrat ist noch nicht abgeschlossen.