Heidi und Schellenursli: Der Heimatfilm als Ausdruck von Krise

Zurzeit werden gerade zwei Kinderbücher in den Bündner Bergen verfilmt: Der Blockbuster «Heidi» und das in der Schweiz berühmte Kinderbuch «Schellenursli». Beides sind auch Heimatfilme, die die Bergwelt in Szene setzen. Sie tun dies jedoch anders als der «alte» Heimatfilm in den 1950er Jahren.

Die drei Schauspieler stehen in Kleidung des 19. Jahrhunderts vor einem Marktstand.

Bildlegende: Auf dem Set des neuen Heidi-Films in Quedlinburg (Deutschland) Ende September 2014. Keystone

Ingrid Tomkowiak beobachtet schon seit längerem eine Renaissance der Heimatfilme. Seit 15 bis 20 Jahren seien diese wieder aktuell. Die Professorin am Institut für populäre Kulturen mit Schwerpunkt Kinder und Jugendmedien vermutet dahinter eine Reaktion auf gesellschaftliche Krisen.

Bei Veränderungen und Unsicherheiten würde man sich auf das Bodenständige beziehen und nach einer Heimat suchen. Populär waren Heimatfilme besonders in der Nachkriegszeit in den 1950er Jahren.

«  Heimatfilme sind ein Krisenphänomen. »

Ingrid Tomkowiak
Professorin am Institut für Populäre Kulturen, Universität Zürich

Im Unterschied dazu würde heute aber das Authentische gegenüber dem Idyllischen mehr im Vordergrund stehen. So würde die klassische Kernfamilie nicht mehr idealisiert, sondern auch veränderte Familienverhältnisse thematisiert.

Die Heidi-Geschichte wurde bisher rund ein dutzend Mal verfilmt. «Die Geschichte bietet verschiedene Themen an, die uns heute noch beschäftigen». Beispielsweise der Konflikt zwischen Stadt und Land oder die Sehnsucht nach Natur und nach Erholung. Die Kulturwissenschaftlerin ist besonders gespannt darauf, wie der Anfang des Films gelöst wird: Ob der Grossvater als sozial schwierige Person wie im Buch angedacht oder als harmloser Verwandter charakterisiert wird.

Regionaljournal Graubünden, 17:30 Uhr