Jagdinitiative stösst im Bündner Parlament auf wenig Gegenliebe

Der Grosse Rat hat heute die Initiative «Für eine naturverträgliche und ethische Jagd» beraten. Die Initiative hatte einen schweren Stand und wurde teilweise für ungültig erklärt.

Jäger mit Beute im Puschlav

Bildlegende: Jäger mit ihrer Beute im Puschlav Keystone

Nicht einmal die Linken unterstützten die von Tierschützern lancierte Initiative. «Die Initiative will zuviel auf einmal und ist zu radikal», sagte SP-Grossrat und Präsident des WWF Graubünden, Beat Deplazes. Positiv sei jedoch zu vermerken, dass die Initiative eine Diskussion auch unter Nichtjägern angestossen habe.

Der Grosse Rat beriet über diverse Forderungen und die Frage, ob diese gültig sind. Das Ergebnis: Zentrale Punkte wurden mit Verweis auf übergeordnetes Recht für ungültig erklärt. Die gültigen Punkte und damit die Initiative empfiehlt der Grosse Rat zur Ablehnung.

Ungültig und damit aus der Initiative gestrichen sind:

  • Ein Schutz der trächtigen, führenden Hirschkühe sowie Rehgeissen und ihre Jungen.
  • Eine Winterruhe (und damit ein Verbot der Nachjagd) ab dem 1. November für den Rothirsch.
  • Eine paritätische Vertretung von Tierschützern, Jägern sowie Nichtjägern im Amt für Jagd und Fischerei.

Gültig und damit zur Abstimmung kommen:

  • Verbot von Fallen zum Töten und das Anfüttern von Tieren.
  • Schutz aller Vögel.
  • Winterruhe ab dem 1. November für alle Wildtiere ausser dem Rothirsch.
  • Eine paritätische Vertretung von Tierschützern, Jägern sowie Nichtjägern in der Jagdkommission.
  • Promillegrenze für Jäger und Jägerinnen.
  • Periodische Schiessprüfungen.
  • Kinder bis zu 12 Jahren dürfen nicht auf die Jagd mitgenommen werden.
  • Schutzmassnahmen für den Wald sind auszuschöpfen, bevor Tiere von der Wildhut Tiere geschossen werden.

Die Initianten haben nun die Möglichkeit, diesen Entscheid gerichtlich überprüfen zu lassen. Einen Entscheid habe man noch nicht gefällt, sagt Marion Theus, Präsidentin des Vereins Wildtierschutz Schweiz. Falls die Initianten keine Beschwerde erheben, soll die Initiative im Mai 2017 zur Abstimmung kommen.

Die grosse Jagddiskussion folgt noch

Die Diskussion über die Initiative war quasi die Aufwärmeübung für die grosse Jagddiskussion im Grossen Rat. Die Regierung möchte nämlich das Jagdgesetz anpassen, Teil davon sind auch verschiedene Anliegen der Initiative wie eine Promillegrenze oder periodische Schiessprüfungen. Mit diesem indirekten Gegenvorschlag sollen die Chancen der Initiative geschmälert werden.

Die Debatte zur Revision des Jagdgesetzes läuft seit dem Montagnachmittag. Entscheide wurden bisher keine gefällt. Das Parlament hat kurz vor 18 Uhr Eintreten und damit Beratung des Gesetzes beschlossen.