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Lange Verfahren Wachsender Pendenzenberg bei der Staatsanwaltschaft

2017 nahmen die hängigen Fälle in der Kategorie «Verbrechen und Vergehen» um 40 Prozent zu. Mit Folgen für Betroffene.

Einer der Fälle, die die Bündner Staatsanwaltschaft 2017 erledigte, betraf Paul Boltshauser. Der 82-Jährige war 2015 auf dem Rheindamm in Chur niedergeschlagen worden, der mutmassliche Täter am ersten Tag bekannt.

Und trotzdem wartete der Pensionär zweieinhalb Jahre auf eine knapp dreiseitige Anklageschrift. Das Vertrauen von Paul Boltshauser in die Justiz ist seither angeschlagen (siehe Hörstück «Es gibt keine Nacht, in der ich durchschlafe»).

19 Staatsanwälte vor einem Pendenzenberg

Die Pendenzen türmen sich bei der Staatsanwaltschaft, das zeigt der Jahresbericht, der dem «Regionaljournal Graubünden» von Radio SRF erstmals teilweise zur Verfügung gestellt wurde.

  • In der Kategorie «Verfahren wegen Verbrechen und Vergehen» waren per Anfang 2017 ingesamt 898 Fälle hängig. Ein Jahr später beliefen sich die Penden auf 1270 Fälle – eine Zunahme um 40%.
  • Ziel der Staatsanwaltschaft ist laut Sprecher Maurus Eckert, alle Fälle innerhalb von zwei Jahren zu erledigen. Im Moment, Anfangs Juni, seien 2200 Fälle hängig. Davon sind 60 Fälle älter als zwei Jahre.

Braucht die Staatsanwaltschaft Graubünden mehr Personal, wieso dauern manche Fälle nicht erklärbar Jahre? Die Frage geht an Regierungsrat Christian Rathgeb. Der Justizdirektor übt die «administrative Aufsicht» über die Staatsanwaltschaft aus. Das betrifft alles Organisatorische, zum Beispiel Personal, Finanzen und Effizienz.

Künftig sollen weniger Fälle hängig sein

Christian Rathgeb sagt: «Das Ziel ist, dass alle Fälle speditiv abgetragen werden können». Die Regierung habe deshalb «im laufenden Jahr mit der Staatsanwaltschaft in der Zielvereinbarung eine Abtragung der Pendenzen» vereinbart. Mehr Personal sei dafür nicht notwendig, so die Einschätzung des Regierungsrats.

Für die Öffentlichkeit war es bisher schwierig, sich ein Bild der Arbeit der Bündner Staatsanwaltschaft zu machen. Im Gegensatz zu anderen Kantonen publizierte die Behörde ihren Jahresbericht bisher nicht. Erstmals auf Anfrage des «Regionaljournals Graubünden» hat die Staatsanwaltschaft ihn nun teilweise zur Verfügung gestellt.

Das Ziel ist, dass alle Fälle speditiv abgetragen werden können.
Autor: Christian RathgebRegierungsrat FDP

Wie Claudio Riedi, Leiter der Staatsanwaltschaft, auf Anfrage erklärt, prüfe man nun, ob der Jahresbericht regelmässig publiziert werde. Geheim ist heute auch der Aufsichtsbericht der Bündner Regierung und damit beispielsweise die Zielvereinbarungen mit der Staatsanwaltschaft.

SRF1, Regionaljournal Graubünden, 17:30 Uhr; habs

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