«Man muss den Geiselnehmer respektvoll behandeln»

Die Geiselnahme in Zizers ist unblutig zu Ende gegangen. Verhandlungsexperte Matthias Schranner war jahrelang für die Polizei im Einsatz. Im Interview mit dem «Regionaljournal» erklärt er, worauf bei Verhandlungen mit Geiselnehmern zu achten ist.

Eine achtstündige Geiselnahme in einem Erotik-Club in Zizers war vergangene Woche unblutig beendet worden. Der 30jährige Täter warf um ein Uhr Morgens seine Waffe aus dem Fenster und ergab sich der Polizei. Verletzt wurde niemand. Die Geiseln konnten in Sicherheit gebracht werden. Bei der Tat dürfte ein Beziehungsstreit im Vordergrund gestanden haben.

Matthias Schranner vor blauem Hintergrund

Bildlegende: Matthias Schranner arbeitete jahrelang als Verhandlungsexperte bei der Polizei. SRF

«Der Geiselnehmer an sich ist in der Regel immer der selbe Typ Mensch», sagt Verhandlungsexperte und Ex-Polizist Matthias Schranner im Interview mit dem «Regionaljournal Graubünden» von Radio SRF. Es handle sich dabei um Menschen, die in eine Ausnahmesituation geraten seien. Bei Verhandlungen mit Geiselnehmern sei es deshalb wichtig, den Täter «vom Druck zu befreien», so Schranner weiter.

Schranner lobte zudem die Arbeit der Polizei beim Geiseldrama von Zizers. Eine Geiselnahme nach acht Stunden unblutig zu beenden, sei eine starke Leistung. Meistens benötige man mindestens drei Stunden, um den Geiselnehmer erst einmal zu beruhigen.

Matthias Schranner verhandelte als Polizist unter Anderem mit Drogendealern, Bankräubern und Geiselnehmern. Heute betreibt Schranner sein eigenes Unternehmen in Zürich. Er trainiert Politiker, Führungskräfte von Unternehmen, und er schreibt Bücher zum Thema Verhandeln.