Neustart bei den Gegnern des Bündner Lehrplans 21

Das Komitee «Gute Schule Graubünden» will den Lehrplan 21 mit einer Doppel-Initiative verhindern. Verfassung und Gesetz sollen so angepasst werden, dass Parlament oder auch Volk über gewichtige Lehrplanänderungen abstimmen können. Auch rückwirkend.

Die Arbeiten am Lehrplan 21 begannen 2010. Graubünden ist unterdessen im Endspurt: Vor drei Wochen verabschiedete die Bündner Regierung den neuen Lehrplan. Er soll ab 2018 etappenweise eingeführt werden.

«  Es wird eine neue Lerntheorie eingeführt und das müssen die Leute wissen. »

Marlies Klesse
Initiativkomitee, Mutter und Kindergärtnerin

Damit überhaupt nicht einverstanden ist eine Gruppe von Eltern und Lehrern. Sie starteten bereits letzten Herbst eine Initiative. Dieses Projekt wurde aber gestoppt, weil es Bedenken bezüglich der Gültigkeit des Initiativtextes gab.

Ziel ist eine Abstimmung über den Lehrplan 21

Am Montag hat das Initiativ-Komitee eine neue Doppel-Initiative präsentiert. In der Bündner Verfassung und dem Schulgesetz soll neu festgehalten werden, dass «der Lehrplan oder grundlegende, strukturelle oder inhaltliche Änderungen des Lehrplans» vom Grossen Rat zu genehmigen sind. Auch soll ein Referendum und damit eine Abstimmung über diese Lehrplananpassungen möglich sein. Das Begehren zielt aber klar auf die Verhinderung des Lehrplans 21 ab.

Widerstand gegen den Lehrplan gibt es in rund einem dutzend Kantone. Am meisten kritisiert wird, wie Lernziele neu formuliert werden, nämlich als Kompetenzen. So heisst es nicht mehr, welches Buch wann zu lesen ist, sondern dass Schülerinnen und Schüler literarische Texte lesen und verstehen können.

Unbehagen gegenüber der heutigen Schule

Für die Initianten geht damit wichtiges Kulturgut verloren. Es mache einen Unterschied, ob man mit Wolfgang Goethe lesen übe oder mit einer Handy-Anleitung, sagt Christoph Jäger, ehemaliger Mittelschullehrer und Mitinitiant.

Beim Initiativkomitee aus dem Prättigau und dem Churer Rheintal – mehr als die Hälfte pensioniert – war heute Morgen ein grosses Unbehagen gegenüber der heutigen Schule spürbar. Sie kritisierten nicht nur den Lehrplan 21, sondern auch neue Lernformen wie selbständiges Lernen oder unterschiedliche Niveaus innerhalb einer Klasse. Die Kinder würden so nicht mehr lernen aufeinander Rücksicht zu nehmen und Konflikte zu lösen. Wenn jedes Kind individuell an einer Aufgabe arbeite, entstehe kein Gemeinschaftsgefühl mehr.

Die Initianten haben nun ein Jahr Zeit, die nötigen Unterschriften zu sammeln. Bis zur Abstimmung dürfte der Lehrplan 21 bereits eingeführt sein. Deshalb enthält die Initiative auch einen rückwirkenden Passus, der eine nachträgliche Abstimmung über den Lehrplan 21 erlauben würde.

*Bild: Fünf Mitglieder des Initiativkomitees posieren für den Fotografen der beiden Bündner Tageszeitungen Südostschweiz und Bündner Tagblatt. Von links: Thomas Huber, Elisabeth Calcagnini, Christoph Jaeger, Marlies Klesse, Johann Wilhelm.

SRF1, Regionaljournal Graubünden, 17:30 Uhr; habs