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Graubünden Pauschalsteuer: St. Moritz bangt um sein Geschäftsmodell

Die Oberengadiner Gemeinde St. Moritz ist in Sorge wegen der Pauschalbesteuerungs-Initiative. Die reichen Ausländer haben dem Dorf Wohlstand gebracht, sind aber auch ein Klumpenrisiko.

Legende: Audio «An einem Novembermorgen in St. Moritz (13.11.2014)» abspielen. Laufzeit 7:03 Minuten.
7:03 min

Der Gemeindepräsident von St. Moritz empfängt in einer typischen Engadiner Amtsstube mit viel Arvenholz und prächtigen Schnitzereien. Im Gespräch unterstreicht Sigi Asprion die Wichtigkeit der reichen ausländischen Mitbürger. Die knapp 100 Pauschalbesteuerten würden jährlich 5,5 bis 6 Millionen Franken Steuern zahlen. Sie seien auch sonst wichtig, zum Beispiel als grosse Arbeitgeber bei Hotels oder Bergbahnen.

Das Geld der Pauschalbesteuerten kommt den Einheimischen und dem Tourismus zugute.
Autor: Sigi AsprionGemeindepräsident St. Moritz

Hinzu kämen Spenden an Anlässe aber auch Anschaffungen der öffentlichen Hand, zum Beispiel eines MRI für das Spital Oberengadin. Beziffern lässt sich dieses Engagement nicht. Doch die Sorge in der Gemeinde ist gross. St. Moritz hat sich deshalb entschieden, 50'000 Franken an das Gegenkomitee der Initiative zu zahlen. Wie Radio SRF berichtete, ist diese Spende umstritten, weil das Geld an ein privates Komitee geht.

Die Reichen als Kapital in einer kargen Berglandschaft

Ob die rund 280 Pauschalbesteuerten in Graubünden den Kanton bei einem Ja zur Initiative verlassen, kann niemand sagen. Anwalt und FDP-Politiker Ruedi Kunz vertritt ein Dutzend von Ihnen: «Viele sind so mobil, dass sie das Steuerdomizil problemlos wechseln könnten». Er rechne allerdings nicht damit, dass die Leute sofort gingen, sondern vielmehr die Lage neu beurteilen würden.

Kritisch beurteilt die Situation SP-Präsident Jon Pult, ein Befürworter der Pauschalsteuer-Initiative. Er rechnet nicht damit, dass alle Pauschalbesteuerten wegziehen und verweist auf das Beispiel des Kantons Zürich, der trotz Abschaffung der Pauschalsteuer keine Steuerverluste habe. Die Pauschalbesteuerung sei ein letztes Überbleibsel einer Privilegienherrschaft und deshalb nicht gerecht.

Wir sind in der Geiselhaft von wenigen vermögenden Personen.
Autor: Jon PultSP-Präsident Graubünden

Natürlich hätten die Vermögenden einen steuerlichen Vorteil, räumt auch der St. Moritzer Gemeindepräsident Sigi Asprion ein. Doch Gerechtigkeit sei in diesem Zusammenhang ein schwieriger Begriff. Wenn die Einheimischen künftig mehr Steuern zahlen müssten, sei dies auch nicht gerecht.

Regionaljournal Graubünden, 17:30 Uhr; habs

4 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli, Reinach BL
    Wenn ich die Protzwagen sehe, sehe ich nicht ein, warum wir soviel Steuern bezahlen müssen. Hier gehört die Pauschalbesteuerung abgeschafft. Wer sich solche Wagen leisten kann, wird wohl noch einige Fränkli für eine gerechte Steuer übrig haben.
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Ein Protzwagen ist ein Feldgeschütz auf Lafette. Was sie meinen sind Personenwagen der obersten Klasse.
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  • Kommentar von Michael Räumelt Wirtschaftsberater, Zillis
    Wasch mich aber mach mich nicht nass dabei.... funktioniert nun mal nicht!! Egal von welcher Seite man es betrachtet. Immer auf die Vermögenden draufhauen, ist ein fataler Fehler, der sich rächen wird. Die Schweiz/Schweizer wären heute nicht dass was Sie sind ohne die Reichen aus aller Welt. Grüsse an alle Sozialromantiker.
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  • Kommentar von Urs Scheiwiller, Wellhausen
    Dann war das Geschäftsmodell über sehr viele Jahre marode und es war nur eine Frage der Zeit bis ein solches zusammenbricht. Ein einseitig auf Reiche ausgerichtetes Modell muss früher oder später zusammenbrechen. Aber man hat den Hals nie vollgekriegt.
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