Romanisch-Unterricht für Heimweh-Romanen

Was bei Kindern von Italienern oder Spaniern gang und gäbe ist, sollen nun auch Schüler mit rätoromanischen Eltern bekommen: Unterricht in ihrer Muttersprache nämlich, wenn sie weit weg von der Heimat wohnen. Neu gibt es in Zürich jeweils am Mittwoch Nachmittag freiwillige Romanisch-Stunden.

Schüler

Bildlegende: Jeden Mittwoch im Stadt-Zürcher Schulhaus Hirschengraben: Kinder treffen sich zum Romanisch-Unterricht. SRF

Mittwoch Nachmittag im Schulhaus Hirschgraben in Zürich. 17 Kinder sitzen in der Romanisch-Stunde. Die Lehrerin Anna Mengiardi liest ihnen den Text eines Liedes vor.

Es geht um goldige Blätter und gelbe und rot-braune Wiesen, ein Herbstlied. Danach teilt die Lehrerin die Kinder in zwei Gruppen ein.

In der einen sind Kindergärtler und Erstklässler, in der anderen die grösseren Primarschüler.

Die Kinder wohnen nicht nur in der Stadt Zürich, sondern in der Grossregion Zürich bis in den Aargau. Die meisten sprechen zuhause Romanisch, entweder mit dem Vater oder der Mutter.

«  Wenn wir etwas Geheimes sagen wollen, reden meine Schwester und ich Romanisch miteinander. »

Mia, 10,
Schülerin aus Erlenbach

Die Romanisch-Stunde gefällt auch Ladina aus Zürich, obwohl sie am Mittwoch Nachmittag stattfindet, wenn ihre Freundinnen frei haben.

«  Ich finde es cool, dass ich mit anderen Kindern romanisch reden kann, die etwa gleich alt sind, und nicht immer nur mit meinem Vater. »

Ladina
aus Zürich

Ein Problem stellt sich allerdings beim Romanisch: Es gibt ja nicht weniger als fünf romanische Dialekte oder Idiome, wie die Romanen es nennen. Und so klingt auch ein alltäglicher Satz bei den einzelnen Kindern ziemlich unterschiedlich. Die Kinder selber gingen aber locker damit um, meint Lehrerin Anna Mengiardi.

«Unterländer müssen sich für Subventionen wehren»

17 Kinder besuchen also die freiwillige Romanisch-Stunde in Zürich, 10 sind es in Basel. Die Initianten sind überzeugt, dass noch mehr solche Angebote nötig sind. Dies vorallem deshalb, weil ein Drittel der Romanen verstreut irgendwo in der Schweiz lebt. Nötig für ein vielfältiges Angebot wären aber Subventionen.

«  Die Unterländer Romanen müssen sich dafür einsetzen, dass ihre Projekte im Unterland finanziell unterstützt werden. »

Petra Camathias
Mitinitiantin der freiwilligen Romanisch-Stunde

Petra Camathias denkt dabei an Geld aus dem Topf der Kulturförderung des Bundes. Wie das Geld in den nächsten Jahren verteilt wird, entscheidet das Bundesparlament voraussichtlich Anfang 2015. Bis dann bezahlen das Angebot die Sprachenorganisationen Lia Rumantscha und Quarta Lingua. Und natürlich die Eltern. Ihr Beitrag beträgt allerdings gerade mal 100 Franken für ein ganzes Schuljahr mit zwei Stunden Romanisch pro Woche.