Rumantschia: Statt Sprachenstreit neue politische Strategien

Seit Jahren gibt es in der Rumantschia Streit über die Sprachpolitik. Es braucht neue Ideen: Heute diskutierten die Romanen an einer Tagung über die Zukunft ihrer Sprache.

Ein Podium mit einem Tisch und einem Stehpult.

Bildlegende: Wissenschafter und Vertreter der Romanen diskutieren über die Zukunft der Sprache. SRF

Organisiert hatte die Tagung mit dem Titel «Rätoromanische Sprache und direkte Demokratie» das Zentrum für Demokratie in Aarau. Dabei ging es um die Frage, wie eine gute Sprachpolitik für eine Minderheitensprache wie das Romanische aussehen könnte. Als Negativ-Beispiel einer schlechten politischen Entscheidung nannte Mitorganisator und Rechtswissenschaftler Andreas Glaser den Entscheid des Grossen Rats 2003, Lehrmittel nur noch in Rumantsch Grischun zu drucken.

«Es gab kein Gesetz und keine öffentliche Debatte zu diesem Entscheid, der faktisch die Einführung von Rumantsch Grischun in den Schulen zur Folge hatte», kritisierte Glaser. Aus Sicht der Regierung wies Regierungsrat Martin Jäger darauf hin, dass die Diskussion rund um die Schulsprache zwar die Debatte in der Vergangenheit dominiert habe, aber nicht das grösste Problem sei. «Die existenzielle Bedrohung liegt im Einfluss der deutschen Sprache», beispielsweise bei Gemeindefusionen, eines der vieldiskutierten Themen an der Tagung.

Einer der konkreten Vorschläge war, den Rechtsweg bei strittigen Fragen auszubauen. Aus dem Publikum kam von Bernard Cathomas, dem früheren Direktor von RTR, der Lia sowie Ex-Politikern der Vorschlag, ein Verbandsbeschwerderecht für Sprachenfragen einzuführen. Heute existiert ein solches Recht für Umweltschutzverbände bei Umweltthemen.