«Tabubruch» in Graubünden: Ställe sollen zu Ferienhäuser werden

Der Grosse Rat hat sich klar für eine Umnutzung von alten Ställen ausserhalb der Bauzone ausgesprochen. Für den Direktor der Vereinigung für Landschaftsplanung ist das ein Tabubruch. Ob der Entscheid aber überhaupt etwas bewirken wird, ist offen.

Zerfallener Stall

Bildlegende: Für die Befürworter ist klar: Zerfallene Ställe aufzuwerten, würde das Landschaftsbild verschönern. Keystone

Gemäss eidgenössischem Raumplanungsgesetz dürfen alte Ställe ausserhalb der Bauzone heute nicht umgenutzt werden. Das heisst, die Ställe können nicht zu bewohnbaren Maiensässen umgebaut werden. Das will der Grosse Rat ändern.

Mit 86 zu 24 Stimmen hat das Parlament einen Auftrag von Reto Crameri (CVP) an die Regierung überwiesen. Diese muss nun eine Standesinitiative erarbeiten und dem Bund unterbreiten. Diese dürfte als einer von vielen Inputs zur zweiten Revision des Raumplanungsgesetzes eingehen.

Deshalb kann auch nicht abgeschätzt werden, ob der Wunsch aus dem Grossen Rat am Gesetz etwas ändern wird. Die Gegner des Vorstosses nehmen ihre Niederlage deshalb mit Humor. So etwa SP-Grossrat Peter Peyer auf Twitter:

Die Debatte im Grossen Rat dauerte rund zwei Stunden und entwickelte sich zu einer grundsätzlichen Diskussion über die Frage, was ausserhalb der Bauzone erlaubt werden soll.

Was macht eine Landschaft aus?

Nicht zerfallene Ställe, sondern Ferienhäuser würden das Landschaftsbild stören, so die Gegner der Vorlage. Reto Crameri betonte deshalb: «Wir wollen auch keine Villen und neue Strassen, sondern lediglich massvolle Umbauten.»

Ställe umnutzen zu können, würde noch weitere Vorteile mit sich bringen: Die Ferienhäuser könnten auch touristisch genutzt, also an Gäste verkauft oder vermietet werden.

Experte spricht von Tabubruch

Porträt von Lukas Bühlmann

zvg/VLP

Der VLP berät Kantone, Gemeinden und Private in Raumplanungsfragen. Für den Dirketor, Lukas Bühlmann, ist die Standesinitiative ein Tabubruch, denn die Trennung zwischen Bauzone und Nicht-Bauzone gehe verloren. Mit der Zeit würde es einen schleichenden Ausbau geben, der von den Gemeinden nur schwer zu kontrollieren sei.