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Graubünden Touristentaugliche Schafbeschützer

Um Schafe vor dem Wolf zu schützen, setzt der Bund auf Herdenschutzhunde. Doch viele Schafhalter zögern, weil sie Ärger mit Touristen befürchten. Neu wird den Hunden deshalb beigebracht, dass sie ihre Herde gegen Wanderer nicht verteidigen müssen.

Legende: Video Die unbeliebten Schafbeschützer abspielen. Laufzeit 5:25 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 31.07.2014.

Jan Boner weiss um die Vorbehalte der Schafhalter gegen die Herdenschutzhunde. Er ist im Kanton Graubünden zuständig für die Koordination und die Ausbildung der Hunde. An öffentlichen Auftritten wird er oft angefeindet. In den Augen vieler Schafhalter gibt es nur eine Lösung für das Problem mit Grossraubtieren: Wölfe und Bären müssen wieder weg!

Herdenschutzhunde machen Wanderern Angst.
Autor: Jan Borer

Herdenschutzhunde, die ein Nebeneinander von Raub- und Nutztieren ermöglichen sollen, werden seiner Erfahrung nach oft aus Prinzip abgelehnt.

Es gibt aber auch sachliche Vorbehalte, mit denen Schafhalter gegen den Einsatz von Herdenschutzhunden argumentieren. Am häufigsten hört Jan Boner das Argument: «Herdenschutzhunde machen den Wanderern Angst. Das kann sich ein Tourismuskanton nicht leisten.» Tatsächlich ist es schon zu Zwischenfällen gekommen, wo Hunde ihre Herde auch aggressiv gegen Touristen verteidigt haben.

Der Churer Schafhalter Marco Camastral kennt das Problem. Er lässt seine Schafe seit 2004 von Herdenschutzhunden bewachen und bekommt immer wieder Reklamationen von Touristen, die sich bedroht fühlen. Und dennoch ist er überzeugt, dass es keine Alternative gibt: «Wenn wir in der Schweiz Wölfe haben wollen, dann müssen wir auch die Herdenschutzhunde akzeptieren.»

Laut Jan Boner ist das Thema aber erkannt. In den letzten vier Jahren ist viel in die Zucht und Ausbildung investiert worden: «Wir setzten nicht mehr auf Quantität, sondern auf Qualität. Dank Geldern des Bundes haben wir die Zucht und Ausbildung der Hunde professionalisiert».

Die jungen Hunde sind nicht mehr aggressiv gegenüber den Touristen.
Autor: Marco Camastral

Einer, der sich auf die Ausbildung von Herdenschutzhunden spezialisiert hat, ist Landwirt Reto Pfister aus Schlans. Damit die Hunde eine Schafherde gegen Wölfe verteidigen, werden sie als Welpen schon in einer Herde aufgezogen. So fühlen sie sich verantwortlich für die Schafe. Ohne Schulung verteidigen sie ihre Herde aber eben auch gegen Wanderer. «In der Ausbildung am Hof schicke ich deshalb regelmässig Wanderer mit Stöcken oder Biker am Gehege vorbei. So gewöhnen sie sich an die Präsenz von Touristen und sehen sie nicht mehr als Bedrohung der Herde.»

Die ersten Erfahrungen mit den Herdenschutzhunden der neuen Generation sind denn auch positiv. Schafhalter Marco Camastral ist begeistert: «Die jungen Hunde bewachen die Herde noch besser und sind wirklich nicht aggressiv gegenüber den Menschen, auch wenn fremde Leute auf die Weide kommen, bellen sie nicht.» Ein gewisses Konfliktpotential bleibt aber trotz allem: «Ich habe schon Wanderer beobachtet, die die Hunde mit Stöcken provoziert haben. Das macht natürlich auch gut ausgebildete Hunde wild.»

Für Jan Boner, den kantonalen Beauftragten für Herdenschutzhunde ist deshalb klar: Wirklich funktionieren wird der Herdenschutz nur dann, wenn auch die lokalen Tourismusverantwortlichen hinter dem Konzept stehen und ihre Gäste für das Thema sensibilisieren und über den richtigen Umgang mit den Hunden aufklären.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Jakob Denzler, Frauenfeld
    Das einfachste wäre: keine Subventionen mehr für immer mehr Schafe (wir zahlen für Hundertausende von Schafen unzählige Millionen Subventionen/Steuergelder). Wir haben mehr als genug Fleisch. Und die Schafhaare/Wolle braucht auch kein Mensch mehr und das Verbrennen verursacht nur Umweltschäden. Dann werden nur noch Liebhaber Schafe züchten, die dieses Hobby auch selbst bezahlen. Und wir können uns Herdenschutz/Wandererattacken-Hunde sparen (denn die Kosten auch noch enorm viel Steuergelder!)
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  • Kommentar von Kurt Anliker, Schafhirt, Kt. St.Gallen
    Seit bald 15 Jahren sage ich, dass der in der Schweiz praktizierte Herdenschutz von AGRIDEA/Hiltbrand + Co so nicht funktionieren kann. Ich halte seit jeher menschenfreundliche HSH, werde aber von AGRIDEA+Co belächelt und diffamiert. Jetzt begreift man langsam (viel zu spät) und tut so als hätte man das Ei des Kolumbus erfunden. - Es bleibt eine Tatsache, dass Personen mit falschem Verhalten (und mit Hund), die HSH zum Angriff provozieren können, aber das kann auch bei Mutterkühen passieren.
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  • Kommentar von M. Perez, Aarau
    Absolut das richtige vorgehen! Das zeigt doch, dass all die engstirnigen Angstmacher falsch liegen. Und den vorangehenden Kommentarschreibern empfehle ich daheim zu bleiben wenn sie Angst vor Tieren haben...denn diese kommen in der Natur nun einmal vor! Und es gibt keine "Raubtiere" auf dieser Welt, dass einzige Tier welches gnadenlos Raub betreibt ist der Mensch!
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    1. Antwort von Peter Wittwer, Thun
      @M.Perez, Aarau: Der Mensch ist kein Raubtier. Das Raubtier hat keine Wahl. Es steht ihm nicht frei, eine Entscheidung gegen das Töten zu treffen und sich vegan zu ernähren. Der Mensch kann aber entscheiden, ob er töten will oder nicht. Er kann Tiere töten und sie aufessen, er kann sich ebenso pflanzenbasiert ernähren und vegan leben. Der Löwe tötet, weil er muss, tötet der Mensch, tut er dies, weil er will.
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