UNESCO-Kulturerbe Umgang mit Lawinen als Kulturgut

Der Bund reicht bei der UNESCO die Kandidatur «Umgang mit der Lawinengefahr» ein. Die Tradition soll in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen werden. Im November 2018 entscheidet die UNESCO, ob sie den «Umgang mit der Lawinengefahr» in die Liste aufnimmt.

Ein Lawinenabgang

Bildlegende: Ein möglicher Umgang mit einer Lawine: Die kontrollierte Sprengung. Keystone

SRF News: Warum gehört der Umgang mit der Lawinengefahr in die Liste der UNESCO?

Jürg Schweizer, Leiter SLF (Institut für Schnee- und Lawinenforschung): Der Umgang mit der Lawinengefahr hat in der Schweiz eine lange Tradition. Seit es Menschen im Alpenraum gibt, mussten diese sich mit der Lawinengefahr auseinandersetzen. Und wenn das so ist, dass die Schweiz ein Gebirgsland ist und sich auch so versteht, dann finde ich es richtig, wenn die Schweiz den Umgang mit der Lawinengefahr bei der UNESCO vorschlägt – als lebendige Tradition.

Im Herbst 2018 wird entschieden, ob man aufgenommen wird. Was würde dieser Entscheid bedeuten?

Es würde sicher heissen, dass man den Umgang mit der Lawinengefahr wichtig findet in der Schweiz. Es heisst nicht, dass wir vom SLF – dem Institut für Schnee- und Lawinenforschung – ins Museum kommen würden.

Die Lawinengefahr ist etwas, was man schon lange kennt in Graubünden. Seit wann ist es aber bekannt, dass man etwas dagegen machen kann?

Ganz genau wissen wir das nicht, aber es gibt Schriften um 1600, zum Beispiel aus Leukerbad. Damals bauten die Menschen eine 80 Meter lange Mauer, die eine Lawine ableiten sollte. Um diese Zeit wussten die Menschen schon, was man machen kann und wie man sich vor Lawinen schützen kann. Deswegen kann man sagen, dass die Menschen im Gebirgsraum schon ein paar hundert Jahre einen bewussten Umgang mit der Lawinengefahr haben.

Das Gespräch führte Marc Melcher.