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Graubünden Ungewisse Mission in Kasachstan

Heiss im Sommer - eiskalt im Winter. Joseph Maria Schnider aus Vals verfolgt seit sechs Jahren als Benediktiner-Mönch in der kargen Steppe von Kasachstan ein göttliches Ziel: Ein Kloster gründen. Heute ist klar, der Weg zum benediktinischen Kloster im fernen Kasachstan ist steinig.

Legende: Video Mission Kasachstan abspielen. Laufzeit 6:55 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 20.12.2012.

Mit einem weichen Händedruck begrüsst mich Pater Joseph Maria im Kloster St. Otmarsberg in Uznach (SG). Er ist hier nur auf Besuch. Denn seit über sechs Jahren liegt sein Zuhause in Kasachstan, in einem Dorf im Norden des Landes.

Als er damals erfahren habe, dass er von der Klostergemeinschaft nach Kasachstan geschickt würde, wusste er nicht einmal, wo das Land liegt, erzählt. Er hatte noch Zeit, einen Intensiv-Russisch-Kurs zu besuchen, bevor er mit Pater Mattias nach Astana flog, um im ländlichen Dorf Osornoe fortan ohne Telefon, fliessendes Wasser oder Heizung als Missionsbenediktiner zu leben und zu arbeiten.

Eisige Winter, schwierige Sprache

Das Dorf Osornoe liegt vierhundert Kilometer nördlich der Hauptstadt Astana und zählt gerade noch sechshundert Menschenseelen. Es liegt mitten in den Weiten der kasachischen Steppe, wo es im Sommer sehr heiss, trocken und windig ist. Im Winter wird es oft eiskalt.

Mitten in der kasachischen Steppe kämpfen die beiden Missionsbenediktiner vor allem im Winter gegen die Elementen. In Zeiten, wenn das Quecksilber Minus dreissig Grad oder kälter zeigt, wird es unangenehm.

Ich bin in den vergangenen Jahren alt geworden hier in Kasachstan. Die Sprache ist schwierig, das hiesige Klima eine Herausforderung.

Zusammen mit Pater Mattias verfolgt Pater Joseph Maria in diesem Ort das Ziel, ein Fundament zu schaffen, damit hier in Zukunft einmal ein benediktinisches Kloster gegründet werden kann. Dieses Ziel liegt aber noch in weiter Ferne. Erst eine «Cella Benedictina» ist aufgebaut, eine kleine Kapelle. Immerhin: Für die Katholiken Kasachstans hat sich der Ort in den letzten Jahrzehnten zu einem Wallfahrtsort entwickelt.

Jeden August findet eine Prozession zur Wallfahrtsstätte «Muttergottes vom reichen Fischfang» statt. Hunderte von jugendlichen Katholiken aus allen Landesteilen reisen in diesen Tagen nach Osornoe, um zusammen zu feiern und zu beten. Vor siebzig Jahren sei hier nämlich ein Wunder geschehen und während einer bitteren Hungersnot plötzlich ein Schmelzwassersee entstanden, mitten in der Steppe und voller Fische.

Das Dorf stirbt aus

So zahlreich die Gläubigen in den Tagen der Wallfahrt das Dorf bevölkern und zum Heiligtum pilgern, so schnell sind sie auch wieder weg. Im Dorf steht zwar noch eine Schule und eine Kirche. Aber es gibt immer weniger Kinder. Osornoe kämpft um Einwohner - ums Überleben.

Früher war es ein Ort, wo Stalin politische Feinde deportierte. Viele hier sind deshalb katholisch und einige Nachkommen sogar deutschsprechend. Aber die Infrastruktur aus sowjetischer Zeit ist kaputt, die letzten Zeugen, die Kolchosen, sind längst schon verfallen.

Die Jugend in Osornoe sieht dehalb kaum Gründe, im Dorf zu bleiben. Auch die Option als Mönch ins Kloster einzutreten, wählt hier praktisch niemand. Erst ein Kasache hat sich dafür entschieden. Er weilt als Novize im Moment im Kloster St. Otmarsberg in Uznach.

Nachwuchsprobleme

Neben den Problemen mit der Sprache und Kultur, der Infrastruktur sind es die Nachwuchsprobleme, die das Ziel, ein eigenes Kloster zu gründen, in die Ferne rücken lassen.

Trotzdem zeigt sich Pater Joseph Maria zuversichtlich und sagt zum Abschied: «Wir kennen das ja aus der Geschichte der Kirche. Manche haben in der Wüste angefangen und erst nach Jahrhunderten haben sich Städte darum gebildet. Also kann Orsonoe durchaus weiterbestehen und aufblühen, als Heiligtum.»