Verdingkinder: Runder Tisch sorgt bei Betroffenen für Kritik

Ein Runder Tisch soll das Leid von Verdingkindern und anderer Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen historisch und rechtlich aufarbeiten. Doch die Organisationen der Betroffenen befürchten, dass ihre Stimme zu wenig Gewicht erhält. Der Churer Christoph Pöschmann will trotzdem mitmachen.

Schwarzweissbild: Zwei Buben tragen eine schwere Kiste.

Bildlegende: Knaben in der Erziehungsanstalt Sonnenberg bei der Arbeit, Kriens, 1944. Paul Senn, FFV, Kunstmuseum Bern, Dep. GKS. © GKS

Die Skepsis gegenüber den Behördenvertretern ist im Verein «Rehabilitierung der administrativ Versorgten» (RAVIA) gross. Trotzdem sei ein Austritt aus dem Gremium keine Lösung, sagt RAVIA-Präsident Chris Pöschmann aus Chur: «Wenn wir unsere Anliegen durchsetzen wollen, müssen wir uns am Runden Tisch dafür einsetzen.»

Doch für ihn ist klar: «Die Gruppe ist zu gross». Während auf der Seite der Behörden, der Kirchen und des Bauernverbands viele Vertreter am Runden Tisch teilnehmen würden, seien die Betroffenen in der Minderheit.

Rückzug vom Runden Tisch

Andere haben bereits Konsequenzen gezogen, zum Beispiel Walter Zwahlen: Sein Verein «netzwerk verdingt», den ehemalige Verdingkinder gegründet haben, verweigert die Teilnahme am Runden Tisch. Die Organisation stört sich insbesondere daran, dass Vertreter der katholischen Kirche am Tisch sitzen - einer Institution, die nicht bereit sei, die Geschichte aufzuarbeiten.