Verwaltungsgericht hebt Urteil zu Beratungsstelle «Adebar» auf

Die Rekurskommission der katholischen Landeskirche Graubünden muss sich erneut mit dem Fall «Adebar» beschäftigen. Dies, weil der Bistumsleitung das rechtliche Gehör verweigert wurde. Die Bistumsleitung wehrt sich gegen Beratungen in Abtreibungsfragen.

Gebäude Bistum, Marienstatue im Vordergund

Bildlegende: Abtreibungsberatung gehört nicht zu den Aufgaben der Kirche, sagt das Bistum Chur. Keystone

«Adebar» ist eine gemeinnützige «Beratungsstelle für Familienplanung, Sexualität, Schwangerschaft und Partnerschaft» in Chur. Sie wird von der katholischen Landeskirche Graubünden jedes Jahr mit 15'000 Franken unterstützt. Dagegen läuft das Bistum Chur seit 2012 Sturm.

Der Grund: «adebar» schliesst Abtreibungen als letzten Ausweg nicht aus und berät diesbezüglich. Für Bischof Vitus Huonder und Generalvikar Martin Grichting ist klar: Durch die finanzielle Unterstützung von «adebar» wird die Kirche gegen ihren gegen ihren Willen mit einer Organisation in Verbindung gebracht, die der katholischen Lehre zuwiderhandelt.

Rechtliches Gehör nicht gewährt

Grichting war 2012 im Kirchenparlament, dem Corpus Catholicum, mit seinem Antrag unterlegen, «adebar» nicht länger finanziell zu unterstützen. Gegen den Parlamentsbeschluss reichte Grichting im Namen des Bistums Beschwerde bei der Rekurskommission der Landeskirche ein - und blitzte ab.Der Generalvikar liess nicht locker und rekurrierte gegen diesen Entscheid beim Bündner Verwaltungsgericht. Dieses gab ihm nun Recht, wie das Bistum am Mittwoch mitteilte.

Wie dem Urteil zu entnehmen ist, hob das Gericht den Entscheid der Rekurskommission auf und wies diese an, den Rekurs des Bistums erneut zu beurteilen. Die Kommission habe ihren Entscheid nicht genügend begründet und somit dem Bistum und seinem Generalvikar das rechtliche Gehör nicht gewährt.

In einem zentralen Punkt gingen die Richter allerdings nicht auf die Klage des Bistums ein. Mit ihrem Gang vor das Gericht wollten Bischof Huonder und Generalvikar Grichting eine «Grundsatzfrage» klären lassen. Die Kirchenmänner wollten wissen, ob es zulässig sei, dass die Landeskirche «entgegen ihrer eigenen Zwecksetzung eine Organisation wie «adebar» unterstütze, die in mehreren Tätigkeitsfeldern im offenen Widerspruch zur kirchlichen Lehre» handle.

Das Gericht winkte jedoch ab. Die Überprüfung der richtigen Anwendung des landeskirchlichen Rechts oder des kirchlichen Rechts stehe nicht in seiner Kompetenz.

Man hoffe nach wie vor auf eine Klärung der Grundsatzfrage, sagt Generalvikar Martin Grichting in der Sendung «Regionaljournal Graubünden». Die Frage, ob das Bistum den Fall allenfalls auch bis vor Bundesgericht ziehen werde, beantwortet er indirekt: «Wir haben ein Interesse daran, abzuklären, wie weit es zulässig ist, dass die Landeskirche Organisationen unterstützt, die nicht im Einklang mit der katholische Lehre handeln.» Ähnliche Fragestellungen gebe es auch an anderen Orten der Schweiz.