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Wahlen Graubünden Martin Jäger (SP): «Politik ist die Kunst, Mehrheiten zu finden»

Der Genosse Martin Jäger macht seit 35 Jahren Politik. Keiner geht so lange ein und aus im Grossen Rat wie er. 2010 wurde er in die Bündner Regierung gewählt. Hier möchte er nochmals vier Jahre bleiben. Unter anderem will er sich für die Sache der Schule und für die Kultur einzusetzen.

Seit 2011 sitzt Martin Jäger in der Bündner Regierung. Er ist hier der einzige Vertreter der politischen Linken. Der ehemalige Primarlehrer ist zuständig für das Erziehungs-, Kultur- und Umweltschutzdepartement. Dazu gehört auch das Naturmuseum. Für Radio SRF tauscht Martin Jäger seinen Chefsessel mit dem Stuhl hinter der Kasse des Museums.

Jobtausch-Reportage

Der SP-Mann Martin Jäger ist ein Urgestein der Bündner Politik. Der heute 61-Jährige wurde mit 26 zum ersten Mal in den Grossen Rat gewählt und politisierte mit Unterbrüchen über ein Vierteljahrhundert im Parlament (1979-83 / 1987-2010), Als Stadtrat lernte er dann auch die Exekutive kennen. Hier bestimmte er die Churer Schul- und Kulturpolitik (1997-2008). «Politik ist die Kunst, Mehrheiten zu finden», sagt Martin Jäger wenn man ihn auf seine lange Karriere anspricht.

Martin Jäger politisiert klar auf der SP-Linie. Er steht für einen Staat ein, der sich um sozial Schwache kümmert, er will eine offene Schweiz und der Umweltschutz ist ihm wichtig. Beharrlich und geduldig – manchmal auch mit schulmeisterlichen Ausführungen – steht der SP-Regierungsrat für seine Projekte ein. Er selbst bezeichnet sich als geradlinig. Seine politischen Gegner bezeichnen ihn als stur.

Im Kern ist er wohl der Sturste von allen. Er wehrt sich mit Händen und Füssen gegen andere Lösungen.
Autor: Andrea DavazVize-Präsident SVP Graubünden

In seiner ersten Amtszeit hat Martin Jäger alle Gesetzesvorlagen durch den Rat gebracht. Besonders stolz ist er auf das neue Schulgesetz. Seit letztem Sommer kennt Graubünden Blockzeiten am Morgen oder betreute Mittagstische. Ungelöst bleibt der Zwist um Rumantsch Grischun an den Schulen. Weil Martin Jäger zurückkrebste und wieder Schulbücher in den Idiomen drucken lässt, hat sich die Situation etwas beruhigt. Offen ist jedoch wie die Standardsprache dereinst in den Schulalltag integriert werden soll.

Umstritten war in den letzten Monaten das neue Sportförderungsgesetz. Nach viel Kritik am ersten Entwurf berät das Parlament nun eine überarbeitete Version. Ein grosses Geschäft in der kommenden Legislatur dürfte auch das Kulturförderungsgesetz sowie die Fremdsprachen-Initiative sein. Martin Jäger spricht sich sich für zwei Fremdsprachen in der Primar aus.

Obwohl Martin Jäger vor 4 Jahren eher knapp gewählt wurde, stehen seine Wahlchancen diesmal nicht schlecht. Als Bisheriger ist er bereits bekannt bei der Wählerschaft. Hinzu kommt, dass er im linken Parteienspektrum keine direkte Konkurrenz hat. Bei der repräsentativen Umfrage der Bündner Medien im Februar landete er auf dem vierten Platz.

Fragen an Martin Jäger

Was ist das drängendste Problem in Graubünden?

Aus Sicht des Erziehungschefs beschäftigt mich die
demografische Entwicklung am meisten. Schon heute ist zwischen den Mittel- und
Berufsschulen ein Kampf um jeden einzelnen Kopf im Gang, sind in Graubünden
rund 700 Lehrstellen unbesetzt. Und in den nächsten fünf Jahren werden wir
nochmals einen zusätzlichen Rückgang von 25 Prozent weniger Schulabgängern zu
verkraften haben.

Wo, ausserhalb von Graubünden, würden Sie gerne
wohnen?


Warum nicht in La Chaux-de-Fonds. Mich fasziniert
diese hoch gelegene Jurastadt mit ihrer speziellen Kultur- und
Wirtschaftsgeschichte in einer wunderbaren Umgebung immer wieder von neuem.

Worin
sind sie gut?



Obwohl ich ziemlich schlecht höre und sogar
Hörgeräte benötige, kann ich ziemlich gut zuhören.

Das
würde ich heute anders machen:



Ich hätte früher und vor allem besser Italienisch
und Englisch lernen sollen.

Dieses
Erlebnis hat mein Leben verändert:



Die Geburt unserer beiden Kinder.

Was
zeichnet Sie als Politiker aus?



Ich bin gleichzeitig geduldig und hartnäckig. Ich
setze mir klare Ziele und habe einen langen Atem, diese auch zu erreichen.

Die Regionalredaktion Graubünden hat die Kandidaten aufgefordert, ihr Stimmverhalten bei den vergangenen und den geplanten Abstimmungen offenzulegen. Mit den Antworten haben wir ein «Abstimmungsprotokoll» erstellt:

Korrigendum

Beim eidgenössischen Stimmzettel von Martin Jäger hatte sich ein Fehler eingeschlichen. Der SP-Regierungsrat ist für die Mindestlohn-Initiative und spricht sich gegen den Kauf des Gripen aus. (1.5.2014)

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