Wenn Leute mit einer Behinderung vergessen gehen

Seit 2004 hat die Schweiz ein Behindertengleichstellungsgesetz. In Graubünden werde deswegen behindertengerechter gebaut, so das Ergebnis einer Studie von Pro Infirmis. Doch sogar bei öffentlichen Bauten gingen Behinderte manchmal vergessen.

Seit den 1980er Jahren bietet die Behindertenorganisation Pro Infirmis in Graubünden eine Bauberatungsstelle an. Heute arbeitet die Fachstelle im Auftrag des Kantons.

In einer Studie hat die Fachstelle untersucht, wie das Behindertengleichstellungsgesetz – seit 2004 in Kraft – in Graubünden umgesetzt wird. Das überraschende Fazit bezüglich öffentlich zugänglicher Räume: Nur gut die Hälfte aller Neu- und Umbauten, die untersucht wurden, erfüllen alle Anforderungen für hindernisfreies Bauen. Bei der Präsentation der Studie am Donnerstag in Chur war die Rede von 53%.

Problemzone Innenräume

Versäumnisse gebe es besonders in Innenräumen, sagt Roman Brazerol, Leiter der Fachstelle. So seien Bancomaten zu hoch montiert, ein Schalter nicht erreichbar oder Glaswände für sehbehinderte Menschen nicht gekennzeichnet. «Man denkt nicht daran» und Bauprojekte würden zuwenig auf das hindernisfreie Bauen überprüft, sagt der Leiter der Fachstelle.

Pro Infirmis will künftig stärker die Zusammenarbeit mit den Gemeinden und Ämtern suchen und hat aufgrund der Studie die Rückmeldung, dass ein Interesse an Schulungen vorhanden wäre. Gleichzeitig möchte die Behindertenorganisation bei den gesetzlichen Grundlagen intervenieren und klarere Spielregeln auf Gemeindeebene schaffen.

SRF1, Regionaljournal Graubünden, 17:30 Uhr; habs