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Wolf im Kanton Graubünden Wolf steigt in Stall ein - Bauern und Regierung sind besorgt

Vor einigen Tagen hat ein Wolf einen Stall in Trun betreten und ein Schaf gerissen. Nun fordern der Bündner Bauernverband und die Regierung neue gesetzliche Grundlagen. Diese sollen es erlauben, Wölfe abzuschiessen, wenn diese Gebäude betreten. Wolfexperte David Gerke findet das nicht nötig.

Legende: Video Weniger Schutz für den Wolf abspielen. Laufzeit 2:27 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 28.02.2017.

«Dieser Fall ist eine ganz neue Dimension», sagt Thomas Roffler, der Präsident des Bündner Bauernverbandes auf Anfrage von «Schweiz aktuell». Gemeint ist damit die jüngste Konfrontation zwischen Wolf und Mensch, genauer gesagt zwischen Wolf und Schaf.

Bauernverband und Regierung reagieren

In der Bündner Gemeinde Trun ist ein Wolf über eine halb geöffnete Stalltüre gesprungen und hat ein Schaf gerissen, wie die Zeitung Südostschweiz berichtet. Passiert ist dieser Fall bereits vor zehn Tagen. Jetzt hat dieser Fall Folgen.

Bauer steht vor Stall
Legende: Ein Wolf hat den Stall von Mathias Decurtins in Trun betreten und ein Schaf gerissen. RTR

Der Bündner Bauernverband hat in diesen Tagen einen Brief an die Bündner Regierung verschickt. Darin verlangt der Verband, dass sich die Regierung beim Bundesamt für Umwelt für neue gesetzliche Grundlagen zum Abschuss des Wolfes einsetzen soll. «Die Gesetze, die heute einen Wolfsabschuss erlauben, stimmen nicht mehr mit der Realität überein», sagt Cavigelli in der Südostschweiz. So gebe es zum Beispiel keine Vorschrift dafür, wenn ein Wolf in ein Gebäude eindringt.

Wolfexperte hält dagegen

Neue rechtliche Grundlagen findet hingegen David Gerke nicht für nötig. Gerke ist im Sommer selber Schafhirt im Kanton Graubünden, er ist aber auch Jäger und stammt ursprünglich aus dem Kanton Solothurn. Man müsse den Fall in der Gemeinde Trun genauer anschauen.

«Der betroffene Stall befindet sich in einem sehr abgelegenen Gebiet, das nächste Siedlungsgebiet ist weit weg», so Gerke gegenüber «Schweiz aktuell». Für den Wolf war dieser halboffene Stall ausserdem etwas Ähnliches wie eine künstliche Höhle, vermutet der Wolfexperte. Und gerade dass der Stall halb offen war, zeuge nicht von einem guten Herdenschutz. Dass der Wolf hier ein Schaf reisst, verwundert Gerke nicht.

«Herdenschutz heisst: Es gibt eine elektrische Umzäunung», hält Gerke fest. Wichtig sei auch herauszufinden, ob dieser Wolf zum ersten oder zum wiederholten Mal ein Schaf gerissen hat, und zu welchem Rudel er gehört. Aus Gerkes Sicht braucht es zuerst weitere Abklärungen, bevor man eine Bewilligung zum Abschuss für Wölfe erteilt, die sich in die Ställe wagen.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Lou Goetzmann (Lou Goetzmann)
    Wenn ein Fuchs durch ein Loch in den Hühnerstall eindringt und ein Huhn frisst, dann schaut man sich doch auch zuerst an, wie man den Hühnerstall besser sichern kann? Vor allem wenn das Loch mitten in der Türe klafft? Wo bleibt die Verhältnismässigkeit beim Bauernverband?
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Der Stall dürfte wohl eher ein halboffener Verschlag sein. Und da der Ort weit ab von menschlicher Aktivität ist und auch kein Herdenschutz vorhanden war, dürfte es für den Wolf wie eine Einladung gewirkt haben. Etwas mehr Sachlichkeit im Titel wäre schön. Der Hauptauftrag von SRF ist Information, nicht Sensation.
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  • Kommentar von Astrid Etter (Raja)
    Einfach sagen die Politiker tun für einem nichts, zuerst muss man doch selber schauen was man besser machen kann, schliesslich sollten einem die eigenen Tiere ja sehr wichtig sein. Und ich denke nicht das ein Wolf der genug gefressen hat und satt ist einfach in ein Gebäude geht, dazu ist er viel zu scheu. Ein Tier das so in einen Stall hinein springt geht ja ein enormes Risiko ein und ich denke sein Herz hat vor Angst sicher geschlagen wie verrückt.
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