70 Jahre Kinderdorf: «Chönd zo üs ue, d`Stobe isch parat»

Angefangen hat alles 1946 mit der Aufnahme von europäischen Kriegswaisen nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit der Zeit wandelte sich das Engagement des Kinderdorfes. Die Auslandshilfe kam dazu. Heute stehen interkulturelle Austausch- und Bildungsprojekte im Vordergrund.

1944 rief Walter Robert Corti zum Bau eines Kinderdorfes für europäische Kriegswaisen auf. Diese Forderung begrüsste die Schweizer Bevölkerung und unterstützte das Projekt tatkräftig. Die Bürger spendeten Geld, und Freiwillige halfen beim Bau des Dorfes. Am 28. April 1946 war dann die Grundsteinlegung in Trogen. Die ersten Kriegswaisen aus Frankreich zogen bereits im September ein. Danach folgten Kinder aus den damals verfeindeten Nationen Deutschland, England, Polen, Österreich, Italien, Ungarn, Finnland und Griechenland.

«  Bauen wir eine Welt, in der Kinder leben können.  »

Walter Robert Corti
Gründer des Kinderdorfes

Als die Kriegstrümmer nach dem Zweiten Weltkrieg aufgeräumt waren, nahm man in Trogen Kinder aus anderen Kriegsgebieten auf wie aus Tibet, Kambodscha oder Afrika.

Von Trogen in die Welt hinaus

Mit der Zeit erkannte die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi, dass sich die Nachfrage und auch die Pädagogik gewandelt hatten. Die Hilfe vor Ort wurde gefragt und so begann man ab 1982 sich vermehrt im Ausland zu engagieren. Im Jahr 1987 wurden zudem für Kinder mit sozialen und schulischen Schwierigkeiten sozialpädagogische Wohngruppen gegründet. Anfang der 1990er Jahre brach der nächste grosse Krieg in Bosnien aus. Es waren die letzten Kriegskinder, die im Kinderdorf Unterschlupf fanden.

2014 wohnten erstmals seit Eröffnung keine Kinder mehr im Dorf. Denn das Heimangebot wurde immer weniger gefragt und deshalb nicht mehr weitergeführt. Stattdessen wurde der Schwerpunkt auf interkulturelle Austausch- und Bildungsprojekte gelegt. Dort werden Themen wie Anti-Rassismus, Diskriminierung, friedliches Zusammenleben behandelt. Jährlich nehmen rund 2000 Kinder und Jugendliche an diesen Projekten teil. Auch engagiert sich die Stiftung weltweit weiterhin dafür, das Kinder Zugang zu guter Bildung haben.

Zurück zur alten Tradition

Seit Mai 2016 beherbergt das Kinderdorf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Zwei bis drei Häuser stellt die Stiftung dem Kanton Appenzell Ausserrhoden zur Verfügung. Zwischen 30 und 45 Flüchtlingskinder haben Platz. Betreut werden die Jugendlichen durch den Verein tipiti, da das Kinderdorf nicht mehr über die Kompetenzen verfügt solche Kinder zu betreuen.