Der Wald im Wandel der Zeit

Eschensterben, Klimawandel, Borkenkäfer. Der Wald ist immer neuen Gefahren ausgesetzt. Eine Herausforderung für die Förster, die während der kalten Jahreszeit am Holzen sind.

Mittwochmorgen, kurz nach 10:30 Uhr: Unterhalb der Umfahrungsstrasse bei Teufen ist die Strasse wegen Holzschlag gesperrt. Aus der Ferne heult eine Motorsäge auf, dann ein Knarren und ein Rascheln und ein lauter Knall. Die Förster haben eine 120 Jahre alte Fichte umgesägt. Ein gezielter Eingriff in den Schutzwald, wie der Oberförster des Kantons Appenzell Ausserrhoden, Heinz Nigg, erklärt. Dieser sei nötig, um die Schutzfunktion des Waldes und die Stabilität des Hanges zu erhalten.

Beste Zeit für Holzschlag

Solche Eingriffe sind während der kalten Jahreszeit an der Tagesordnung. Sobald der Waldboden gefroren ist, die Vegetation eine Pause macht, seien Holzschläge im Wald unproblematisch für Tiere und Natur. Dass die grossen Fichten in diesem Wald entfernt werden, hat aber nicht nur mit der Schutzfunktion des Waldes zu tun, sondern auch mit dem Klimawandel: «Wenn es in den nächsten Jahren im Schnitt zwei Grad wärmer wird, wird die Fichte im Mittelland aussterben und auch bei uns weniger häufig anzutreffen sein».

«  Wir haben die Esche keineswegs aufgegeben »

Heinz Nigg
Oberförster Kanton Appenzell Ausserrhoden

Dagegen könnten sie nicht viel machen, ausser: Weiterhin auf Mischwälder setzen und hoffen, dass einzelne Bäume überlebten. Dies gelte auch für die Esche, die seit Jahren gegen einen Pilz ankämpfe. «Wir haben die Esche keineswegs aufgegeben», sagt Heinz Nigg. Im Gegenteil: Die Förster versuchen, der Esche im Wald mehr Licht zu geben, damit sie besser heranwachse und einzelne Bäume, die resistent seien, überlebten.

Mischwälder fördern

Dies geschieht aus einem einfachen Grund: Appenzell Ausserrhoden setzt wie andere Kantone auch auf Mischwälder. Denn: «Die Vielfalt der Baumarten gibt Stabilität. Und falls eine Baumart ausfällt, können andere Arten diese Funktionen übernehmen», sagt Heinz Nigg weiter.

Im Schutzwald unterhalb der Umfahrungsstrasse setzen die Förster deshalb auf eine gute Durchmischung: Eschen, Fichten, Eichen, Birken und Weisstannen sorgen für einen guten Mix oder im Fachjargon: für eine gute Biodiversität. Wie die Bäume heranwachsen, werde nur am Rande mit kleineren Eingriffen beeinflusst. Gezielt angepflanzt werde in den seltensten Fällen. Denn, so der Oberförster zum Schluss: «Niemand weiss wirklich, was in 50 Jahren ist. Die Natur wird es schon regeln.»