Drachenkinder und Goldbirken: Sagenhaftes aus dem Taminatal

In Vättis im St. Galler Taminatal betreiben Stephan Burkhardt und Hans Ulrich Frey ein Atelier, in dem sie Bücher nach alter Tradition herstellen. Ihr neuestes Werk ist ein Sagenbuch, in dem sie die Realität mit Sagenhaftem verweben.

Drei Holzschnitte

Bildlegende: Drei der fünf Holzschnitt-Illustrationen des neuen Sagenbuchs. zvg

Die Sagen handeln von Drachenkindern, einem Kirchenbrand in Valens und von der neuen Brücke im Taminatal, welche in der Sage zur Teufelsbrücke wird. Stephan Burkhardt hat sich über Jahre Ereignisse und Episoden aus dem Talleben notiert und diese mit traditionellen Elementen verwoben. Er ist sich bewusst, dass diese Sagen auch provozieren könnten: «Sagen sind niemals harmlos.»

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Drachenkinder und Goldbirken: Sagenhaftes aus dem Taminatal

5:11 min, aus Schweiz aktuell vom 9.12.2013

Jedes Buch ein Kunstwerk

Die Werkstatt der beiden Männer ist wohl einzigartig. Die Einrichtung haben sie auf der ganzen Welt zusammengesucht und das traditionelle Handwerk haben sie sich selber beigebracht. Stephan Burkhardt ist studierter Theologe, Hans Ulrich Frey Biologe. Heute bedient Burkhardt die Druckerpresse und setzt Texte, Frey giesst Bleibuchstaben und fertigt Einbände. «Wir verarbeiten Materialien, an welchen moderne Maschinen scheitern», sagt Frey.

Für den Einband des Sagenbuches verwendete Frey Birkenrinde aus Sibirien und kombinierte ihn mit einem roten Lederrücken. Den Text druckte Burkhardt auf schweres, weiches Hadernbüttenpapier. Somit wird aus jedem Buch ein kleines Kunstwerk. Dieses hat auch seinen Preis, doch immer mehr Leute leisten sich ein handgefertigtes Buch. «Im Zeitalter der Digitalisierung wird es wieder attraktiver, ein schönes Buch in den Händen zu haben», sagt Frey.

Hausschrift als Krönung

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Die Sage von den Lerchen auf dem Vättnerbühl

4:49 min, vom 10.12.2013

Das Sagenbuch wurde in einer neuen Schrift gedruckt. Entworfen hat sie der bekannte Schweizer Schriftdesigner Hans Eduard Meier. Meier hat eine Nachfolgerin der «Schnürlischrift» erfunden. Ausserdem hat er die Schrift für die Banknoten entwickelt. «Die Schrift wird nur in unserer Werkstatt angewendet und das macht unsere Arbeiten zusätzlich attraktiv», sagt Hans Ueli Frey. Die Schrift trägt den Namen der Werkstatt: Parnassia.