Hausärzte-Mangel Ein Jungarzt traut sich

Die Überalterung der Hausärzte und der drohende Hausärztemangel sind in aller Munde. Aber es gibt Gegenbeispiele. In Romanshorn hat kürzlich ein junger Hausarzt eine Praxis eröffnet. Sein Motiv: Die Arbeit an der Basis ist für ihn der Inbegriff ärztlicher Tätigkeit.

SRF News: Roman Zeller, Sie sind 31 Jahre alt und haben vergangene Woche Ihre Hausarztpraxis eröffnet. Wie war der Start?

Roman Zeller: Ich habe die Praxis von meinem Vater übernommen, der vor zwei Jahren krank wurde und vor Kurzem gestorben ist. Die Praxis ist zwischenzeitlich von einem Stellvertreter geführt worden. So konnte ich im Grossen und Ganzen die Patienten meines Vaters übernehmen. Das bedeutet: Die Patienten kamen gleich in der ersten Wochen im 15-Minuten-Takt.

Sie wollten schon von Kind an einmal Arzt werden?

Nein, ich wusste nach dem Gymnasium zuerst nicht recht, was ich studieren sollte. Dann habe ich aber die Numerus-Clausus-Prüfungen für ein Medizinstudium versucht und bestanden. Während des Studiums merkte ich dann schnell, dass mich die Medizin fasziniert.

Der Beruf als Hausarzt hat nicht den besten Ruf, er gilt als anstrengend.

Ich sehe das nicht so schlimm. Gegenüber einem Spezialisten hat ein Hausarzt viele Vorteile. Er ist selbständig, arbeitet an der Basis und er ist Generalist. Ich habe mir das immer gewünscht. Die Arbeit als Spezialist an einem Spital mag auch Vorteile haben, aber man ist zum Beispiel dem Spitalalltag ausgesetzt und erfasst als Spezialist die Patienten nicht in ihrer ganzen Tiefe.

Trotzdem gibt es einen Hausärztemangel.

Ja, das hat vermutlich auch mit dem Stadt-Land-Graben zu tun. Man studiert Medizin in einer grossen Stadt, dann für eine Hausarztpraxis aufs Land zu ziehen, passt nicht jedem. Aber ich bin überzeugt, dass sich das wieder ändern wird. Gerade für eine Gemeinde wie Romanshorn wird sich das Problem entschärfen.

Das Gespräch führte Markus Wehrli.

Studie zur Hausarzt-Medizin

Der Studienbericht