Einer der letzten Handsticker

«Ich stand oft dabei, beim Musterbrett, und habe dem Vater beim Sticken zugesehen», erzählt Bernhard Hollenstein. Das Sticken habe ihn schon als Junge fasziniert - und die Faszination hält bis heute an. Im Dachstock seines Hauses im Toggenburg stehen ganze Regale mit mehreren tausend Stickmustern.

Bernhrad Hollenstein arbeitet konzentriert am Musterbrett der Handstickmaschine.

Bildlegende: Ein falscher Stich muss manchmal mühsam aufgetrennt werden. Bernhard Hollensteins Devise: Keine Fehler machen. SRF

Im unteren Stock des schönen Toggenburger Hauses stehen zwei Handstickmaschinen. Jeden Tag arbeitet Bernhard Hollenstein drei bis fünf Stunden daran. Vor seiner Pensionierung musste er etwa 10 Stunden pro Tag arbeiten, um genug Geld zu verdienen. Heute stickt er nicht mehr wegen des Geldes, sondern weil ihn die Arbeit so fasziniert. Etwa die Hälfte seiner Stickereien sind jedoch auch heute noch Auftragsarbeiten, beispielsweise für die Verzierung von Trachten oder für Souvenir-Läden.

Auch Bernhard Hollensteins Beruf drehte sich um die Stickerei. Als «Fergger» für eine Firma in St. Gallen ging er zu den Familien, die eine Stickmaschine daheim hatten und brachte ihnen Arbeit und Material. Und wenn es Probleme mit der Maschine oder dem Sticken gab, wusste er ebenfalls Rat.

In der Ostschweiz ist er einer der letzten, der sich in der Handstickerei auskennt. Wenn jemand eine Frage oder einen Auftrag hat, kommen sie deshalb meistens zu ihm. Er macht auch Führungen für einzelne Besucher oder ganze Gruppen in seinem Haus.

Handstickerei

Im 19. Jahrhundert diente die Stickerei vielen Familien als Neben- oder Haupteinnahme-quelle. Die Stickmaschinen wurden gegen Anzahlung angeschafft und in den Häusern installiert. Die Kinder halfen bei der Arbeit mit.