Euro-Kurs: Von Gewinnern und Verlierern

Seit der Schweizer Franken nicht mehr an den Euro gekoppelt ist, geht es drunter und drüber. Der Absturz des Euros trifft die Grenzregionen hart. Im St. Galler Rheintal eiden Industrie-und Handel unter dem starkem Franken. Auch in Vorarlberg gibt es nicht nur Gewinner des aktuellen Eurokurses.

Der starke Franken macht nicht nur der Schweizer Wirtschaft zu schaffen. Auch in Vorarlberg gibt es Verlierer des aktuellen Eurowechselkurses.

Bildlegende: Der starke Franken macht nicht nur der Schweizer Wirtschaft zu schaffen. Auch in Vorarlberg gibt es Verlierer des akt... Keystone

Im Einkaufstzentrum Rheinpark in St. Margrethen, einem Einkaufszentrum mit 40 Fachgeschäften, zollt man dem aktuellen Wechselkurs Tribut. Ein Blick auf den Parkplatz zeigt: Autos mit Österreichischen Kennzeichen fehlen. Und auch die Schweizer kaufen lieber ennet der Grenze ein. Andreas Aepli, der Leiter des Rheinparks bedauert es, dass viele Schweizerinnen und Schweizer derzeit lieber in Österreich einkaufen. Er appeliert an die Solidarität seiner Kundschaft:«Wo ich mein Geld verdiene, gebe ich es auch aus.»

Einkaufstouristen in Dornbirn

Von einer Stärkung des Schweizer Gewerbes aber ist derzeit wenig zu spüren. Über der Grenze - rund 10 km entfernt - liegt Dornbirn. «Messepark» heisst das grösste Einkaufszentrums im österreichischen Bundesland Vorarlberg, Die 60 Läden unter einem Dach werden derzeit von besonders vielen Schweizerinnen und Schweizern frequentiert. Waren es vor der Aufhebung des Euro-Mindestkurses 20% Schweizer Kunden, hat sie die Zahl über Nacht verdoppelt, sagt der Leiter des Messeparks Dornbirn, Burkhard Dünser: «Es ist verrückt. Wir müssen uns freuen, aber die Entwicklung für die Schweizer Wirtschaft ist ungesund.»

St. Galler Firmen vor Entlassungen

Existenzbedrohend sei die Lage, klagt das Transportunternehmen der Scherrer Textil-Logistik auf der anderen Seite des Rheins. Das Familienunternehmen in St. Margrethen beschäftigt 30 Mitarbeiter und transportiert mit seinen Lastwagen Textilien:«Wir haben die Preise angepasst. Aber ich glaube, wir müssen einen Stellenbbau ins Auge fassen»,klagt der Inhaber und Geschäftsleiter Andreas Scherrer.Seine Grenzgänger in Euro auszuzahlen, wie das andere Betriebe angekündigt und bereits umgesetzt haben, kommt für Andreas Scherrer nicht in Frage. Der Spar-Effekt sei zu klein. Auch länger arbeiten für den gleichen Lohn, ist für den St. Galler kein Thema.

Stellen streichen? Davon kann beim Möbelschreiner Hutle in Dornbirn nicht die Rede sein.Zehn Angestellte bauen Tische, Bücherregale oder ganze Küchen. Seit dem Euroabsturz könne man sich vor Aufträgen aus der Schweiz kaum retten, sagt der Geschäftsleiter Mathias Giesinger.

Österreichische Hausbesitzer leiden

Auch in Österreich gibt es Schattenseite des starken Frankens. Viele Hausbesitzer stehen von heute auf morgen nämlich vor grossen finanziellen Problemen. In keinem anderen europäischen Land waren Kredite in Schweizer Franken nämlich so beliebt wie in Österreich. Man schätzt, dass über 150'000 Menschen für ihren Haus-oder Wohnungskauf Hypotheken in Schweizer Franken aufgenommen haben: «Viele Hausbesitzer können ihre Kredite nicht mehr abbezahlen. Sie verlieren möglicherweise wegen der Eurokrise ihr Heim», sagt Karin Hinteregger. Sie ist die Leiterin des Konsumentenschutzes in der Arbeiterkammer Vorarlberg in Feldkirch.

Banken weisen Schuld von sich

Die Banken wollen sich den schwarzen Peter für diese riskanten Kreditgeschäfte in Schweizer Franken allerdings nicht zuschieben lassen; wie Wilfried Hopfner, Vorstandvorsitzender der Vorarlberger Raiffeisenbanken erklärt: «Wir haben unsere Kunden immer vor dem Währungsrisiko gewarnt.»2008 übrigens verbot die österreichische Finanzmarktaufsicht Kredite in Schweizer Franken für private Haushalte.

SRF 1, Regionaljournal Ostschweiz, 17:30 Uhr