Exakteste Temperaturmessung der Schweiz in Oberuzwil

Der Firma Roth und Co aus Oberuzwil macht in Sachen Temperaturmessung so schnell niemand etwas vor. Im Auftrag des Bundes kalibriert die Firma höchst sensible Thermometer, welche später als Masstab für industrielle Temperaturfühler dienen. Ein Augenschein vor Ort.

Laborleiter Remo Senn

Bildlegende: Laborleiter Remo Senn erklärt die Vorgehensweise der Firma Roth und Co in Oberuzwil. SRF

Remo Senn ist Laborleiter bei der Firma Roth und Co und damit Herr über die genauste Temperaturmessung der Schweiz. Im St. Gallischen Oberuzwil werden hochpräzise Thermometer in einem aufwendigen Verfahren kalibriert. Als Referenz für diese quasi Urthermometer dient die internationale Temperaturskala. Sie setzt sich aus verschiedenen bekannten Temperaturen zusammen.

Aufwändiges Verfahren

Um ein Thermometer zu kalibrieren, wird mit geschmolzenen, chemischen Elementen gearbeitet, erklärt Senn. Die Schmelztemperaturen oder auch Erstarrungspunkte sind bekannt und immer gleich, somit sind dies Temperaturwerte, an die man sich halten kann, sogenannte Fixpunkte.

Einer der Fixpunkte wird mit dem Metall Gallium realisiert. Für die Messung werden die hochsensiblen Thermometer in die Öfen gesteckt. Im Thermometer befindet sich ein Platindraht. Während das Gallium erhitzt wird, wird laufend der elektrische Widerstand des Drahts gemessen. Sobald dieser nicht mehr ansteigt, weiss man, dass der Schmelzpunkt erreicht ist.

«Für Gallium bedeutet dies, dass nun exakt eine Temperatur von 29,7646 Grad Celsius herrscht», sagt Remo Senn. So weiss man, dass das Thermometer bei entsprechendem elektrischem Widerstand exakt diese Temperatur anzeigt. Bis solch ein genauer Temperaturfühler fertig kalibriert ist, braucht es mehrere Messungen mit verschiedenen chemischen Elementen. «Diese Arbeit dauert mehrere Wochen», verrät der Laborleiter.

Kein Versand der hochsensiblen Geräte

Kunden der Firma Roht sind andere Labors, die ihre Temperaturfühler in Oberuzwil kalibrieren lassen. Die fertig kalibrierten Thermometer dienen dann als Masstab für die Herstellung von Industriethermometern.

Ist die aufwendige Kalibrierung fertig, ist Vorsicht im Umgang mit den rund 5000 Franken teuren Fühlern angesagt. Schon kleine Erschütterungen könnten die Charakteristik des Geräts verändern, gibt Senn zu bedenken. «Die Thermometer werden denn auch nicht per Post versandt, die müssen die Kunden persönlich abholen», sagt Senn.