Frau Hamlet aus dem Appenzellerland

Das Theater St.Gallen besetzt die Hauptrolle des Shakespeare-Klassikers mit einer Frau. Die Geschlechterfrage stellt sich für die Darstellerin längst nicht mehr.

Schauspielerin Jeanne Devos

Bildlegende: Spielt derzeit am Theater St.Gallen: Jeanne Devos. zvg

Die neue Hausregisseurin am Theater St. Gallen, Barbara David-Brüesch, setzt bei ihrer Hamlet-Inszenierung auf dem Publikum Vertrautes: Das Bühnenbild ähnelt dem gescheiterten Klanghaus Toggenburg, der Blick von der dänischen Schlossterrasse führt zum Abbild des Alpsteins. Musikalisch setzt David-Brüesch mit Jodel einen Schwerpunkt und sie zitiert auch Elemente der Ausserrhoder Silvesterchläuse. Mit diesen Elementen gelingt es Barbara David-Brüesch, den Shakespeare-Klassiker in der Ostschweiz zu verankern. Auch auf den berühmten Fechtkampf wird verzichtet. Stattdessen steigt Hamelt in die Schwingerhose. Zum grossen Showdown kommt es im Sägemehl. Die rund dreistündige Produktion ist durchgehend regional codiert.

Beim St.Galler Publikum kommt diese Handschrift gut an: Das Ensemble wird mit stehender Ovation belohnt.

Von Heiden hinaus in die Welt

Von Heiden hinaus in die Welt

Jeanne Devos, geboren 1984 im Appenzellerland, studierte Schauspiel in Bern und Zürich. Ihr erstes Engagement führte sie ans deutsche Nationaltheater Weimar, seither ist sie im deutschsprachigen Raum als freischaffende Künstlerin aktiv. Devos wurde unter anderem mit dem Förderpreis der Internationalen Bodensee Konferenz ausgezeichnet.