Gewerkschaften müssen Boden gut machen

Am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, feiern Arbeitnehmer und Gewerkschaften. Die Arbeitnehmer-Organisationen haben ihre besten Zeiten aber hinter sich und an Bedeutung verloren. Sie müssen sich neu orientieren und verlorenes Terrain wettmachen.

Gewerkschafter demonstrieren am Tag der Arbeit.

Bildlegende: Die Schwerpunkte der Gewerkschaften haben sich in den letzten Jahren gewandelt. Keystone

Die Gewerkschaften spüren den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel. Waren Mitte der 70er-Jahre noch rund 900 000 Personen in der Schweiz Mitglied einer Gewerkschaft, schrumpfte der Mitgliederbestand bis im Jahr 2000 um nahezu einen Drittel.

Druck zur Veränderung

Damit haben die Gewerkschaften auch an Gewicht verloren. Hintergrund der Entwicklung ist der wirtschaftliche Wandel. Ihre Blütezeit und ihre grössten Erfolge feierten die Gewerkschaften, als die Wirtschaft noch hauptsächlich auf die Industrie und das produzierende Gewerbe ausgerichtet war, sagt Bernard Degen, Dozent an der Uni Basel, gegenüber dem «Regionaljournal Ostschweiz».

Neu habe aber der Dienstleistungssektor die grösste Bedeutung - eine Entwicklung, die die traditionellen Gewerkschaften nur zum Teil mitgemacht hätten. Zudem habe sich auch der Zeitgeist geändert. Die Gewerkschaften spürten, wie andere Organsiationen auch, dass die Bereitschaft für das Engagement in Fach-Organsiationen nachgelassen habe.

Die Gewerkschaften stehen deshalb unter dem Druck, sich neu ausrichten zu müssen. Wichtig sei, die Bedürfnisse der Arbeitnehmenden neu zu ergründen, heisst es aus Gewerkschaftskreisen. Und: Vielleicht habe man sich zu lange auf den Erfolgen ausgeruht.

Waren früher die Wochenarbeitszeit, die Löhne und Gesundheitsfragen die Themen der Gewerkschaft, hat sich der Fokus verändert. Heute stehen der Druck zur Flexibiliserung der Arbeitszeit, die Lohngerechtigkeit und das Thema Gesamtarbeitsverträge für alle im Zentrum.