Halbmond im Alpstein: Kunstaktion und Provinzposse

Ein Kunstobjekt hat in den letzten Tagen die Standeskommission, die Polizei, Wanderer und die Medien beschäftigt. Ein Künstler hat ohne Bewilligung auf einem Berggipfel im Alpstein ein Objekt platziert: Ein Halbmond, welcher nun wieder weg muss. Doch für die illegale Aktion gibt es keine Busse.

Oberflächlich geht es um eine Baubewilligung. Die hat der Kanton nie gesehen und nach der hat auch niemand gefragt. Der Halbmond – und um den geht es hier – war einfach plötzlich da.

Mitten im Alpstein auf einem Berggipfel, mit bestem Blick auf den Säntis. Dem regierenden Landamman Roland Inauen blieb gar nichts anderes übrig, als zusammen mit der Standeskommission zu entscheiden: Das Objekt muss vom Berg. Und weil sich der Künstler schnell dazu überreden liess, gab es keine Busse.

Kunst als Provokation

Urheber der Aktion ist der Appenzeller Künstler Christian Meier. Als Motiv für den Halbmond gibt er an, als Atheist habe er Probleme mit den zahlreichen Gipfelkreuzen im Alpenraum. Mit dem Objekt des Halbmondes wolle er zum Denken anregen. Und provozieren. Das scheint ihm gelungen, und es ist kein Einzelfall. Gerne wird der Alpstein als Ort genutzt, Botschaften zu platzieren. Beispiele aus der jüngsten Zeit sind die längste Bank auf dem Kronberg oder die Schweizer Fahne auf dem Säntis. Doch die Standeskommission tritt auf die Bremse bei der Bewilligung von Aktionen, ob sie Events oder Kunst seien. Denn: Der Alpstein sei eine Kulturlandschaft, mit der man sorgsam umgehen müsse, sagt Landammann Roland Inauen.

Roman Signer findet die Aktion lustig

Prominenter Fürsprecher der Aktion ist der international bekannte Appenzeller Künstler Roman Signer. Für ihn mache eine solche Aktion Sinn, wenn sie zum Denken anrege. Bei der Fahne am Säntis habe auch niemand etwas gesagt, weil sie patriotisch sei. Aber Kunst müsse nicht patriotisch sein, sagt Roman Signer. Kunst regt an und deshalb finde er die Aktion lustig.