Herbstzeit ist Buchzeit: Gespräch mit Verleger Marcel Steiner

Das letzte Quartal ist für die Verleger das wichtigste. Marcel Steiner ist Geschäftsführer der Appenzeller Verlag AG. Diese hat der 61-Jährige Anfang 2015 gekauft und ist seither selbstständiger Verleger. Zum Appenzeller Verlag gehören auch der Toggenburger Verlag und Orte Verlag.

Im nebligen Herbst lockt das Kaminfeuer und ein gutes Buch. Das letzte Jahresquartal ist das wichtigste für den Buchmarkt und die Verleger. Besonders in der Weihnachtszeit werden viele Bücher gekauft und verschenkt. Marcel Steiner ist Geschäftsführer des Appenzeller Verlags. Er hat nun eine besonders strenge Zeit hinter sich.

«Für das Weihnachtsgeschäft müssen die Bücher spätestens bis Ende September auf dem Markt sein, danach werden sie nicht mehr genug wahrgenommen», erklärt Steiner.

«  Einen Verlag hat man nicht, einen Verlag lebt man.  »

Marcel Steiner
Geschäftsführer Appenzeller Verlag AG

Die Zahlen müssen aber ebenfalls stimmen. Bis ein Hardcover-Buch rentabel ist, muss es sich rund 1000 Mal verkaufen, bei einem Taschenbuch reichen 500 verkaufte Exemplare.

Vorteil der Kleinen

«Die Beziehung zwischen Autor und Verlag ist immer eine zwischen zwei Menschen», sagt Steiner weiter. Das sei der Vorteil ihres kleinen Verlages. Sie hätten persönlichere Kontakte und so eine grössere die Chance, Talente zu entdecken, die bei grossen Verlagen vielleicht durch den Raster fallen.

Bestseller würden sie nicht verkaufen, sie hätten Longseller im Angebot: Kinderbücher, die sich seit 20 Jahren verkaufen, Krimis und besonders Appenzeller und Toggenburger Titel seien Zugpferde des Verlags.

Es gibt verschiedene Kriterien für ein Buch, welches vom Appenzeller Verlag verlegt werden soll:

  • Sachbuch: Muss sich mit einer Thematik befassen, über die vorher noch nicht geschrieben wurde, zum Beispiel Mineralien im Alpstein.
  • Belletristik: Das Buch muss Figuren enthalten, mit denen sich der Leser identifizieren kann. Gefragt sind auch Figuren mit Haltungen, zum Beispiel zu politischen und gesellschaftlichen Fragen.

Bei beiden Kategorien sei die Qualität des Inhalts sehr wichtig. Noch viel wichtiger sei aber der regionale Bezug. «Leser erkennen sich in bekannten Orten und Landschaften wieder.»

Noch lange nicht müde

Der 61-jährige Steiner liess sich zwar frühpensionieren, ans Aufhören denkt er aber noch lange nicht. «Die nächsten fünf Jahre möchte ich den Verlag aufbauen, die darauffolgenden fünf Jahre mich langsam nach einem Nachfolger umschauen und die dann während fünf Jahren meinen Verlag langsam übergeben.»

Zur Person:

Seit 40 Jahren ist Marcel Steiner publizistisch tätig. Während 20 Jahren war er Geschäftsleiter der Appenzeller Medienhaus AG. Der Appenzeller Verlag war ein Teil davon. Steiner kaufte Anfang dieses Jahres den Verlag und leitet ihn seither als selbstständiger Verleger. Mittlerweilen gehört auch der Toggenburger und Orte Verlag dazu.