«Ich jage Tönen nach, um die Welt neu zu entdecken»

Stefan Paulus ist ein Tonjäger. Für seine «Field Recordings» streift er mit seinem Mikrophon durchs Appenzellerland und zeichnet Geräusche auf. Diese mischt er dann zu Toncollagen, welche schon von Radiosendern weltweit ausgestrahlt wurden.

Tropfende Wasserleitungen, brummenden Klimaanlagen, vibrierende Elektrozäune oder das Schnaufen von Kühen: Stefan Paulus zeichnet Töne und Geräusche auf, die ihn faszinieren. Der 37-jährige Deutsche wohnt im Appenzellerland. Hier geht er mit seinem Mikrophon auf Streifzüge durch die Natur und sammelt Töne aller Art. Seine «Field Recordings» bearbeitet er daheim am Computer und mischt Klänge einer elektronischen Orgel darunter. Seine Sounds wurden bereits von Radiosendern in New York, London oder Brüssel gespielt.

Sich von Geräuschen treiben lassen

Stefan Paulus arbeitet als Sozialwissenschaftler an der Fachhochschule St. Gallen. Als Ausgleich zieht er regelmässig mit seinem Mikrophon durch die Gegend: «Wenn ich Driften gehe, ist es ein Ausstieg aus dem Alltag. Es ist eine Schärfung der Sinne. So kann ich die Welt, in der wir leben, neu entdecken.» Der Tonjäger aus dem Appenzellerland zieht meist ohne Plan los. Wo er gerade etwas Interessantes hört, hält er sein Mikrophon hin und so ergibt ein Geräusch das andere.