Medienpräsenz Kantone betreiben eigenen Nachrichten-Journalismus

Die Kommunikationsabteilungen der Kantone setzen auf Onlinemedien und produzieren eigene News-Inhalte. Federführend in der Ostschweiz ist Graubünden. Medienexperten warnen vor Manipulationen.

Facebookseit Kanton Graubünden

Bildlegende: Der Kanton Graubünden präsentiert sich in den Sozialen Medien mit eigens produzierten Videos. SRF / Rebecca Dütschler

Journalistik-Dozent Guido Keel der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften spricht von einem neuen Trend: Die Kommunikationsabteilungen der Kantone und grossen Unternehmen produzieren zunehmend journalistische Beiträge, die in den sozialen Medien und im Internet publiziert werden.

«Die Kantone kommunizieren an den klassischen Medien vorbei. So können sie stärker kontrollieren, wie sie in der öffentlichen Diskussion wahrgenommen werden», sagt Guido Keel gegenüber Radio SRF. Dieser Schritt sei für ihn zwar nachvollziehbar.

Dennoch warnt der Medien-Experte. Für Konsumenten werde es schwieriger, Werbebeiträge von journalistischen Beiträgen zu unterscheiden. «Journalisten sind daher gefordert: Sie müssen mit klaren Analysen und Meinungen dem Medienkonsumenten einen Mehrwert liefern».

«  Die Kantone kommunizieren an den klassischen Medien vorbei. So können sie stärker kontrollieren, wie sie in der öffentlichen Diskussion wahrgenommen werden. »

Guido Keel
Journalistik-Dozent ZHAW

Führend beim Angebot von Video-Beiträgen ist unter den kantonalen Verwaltungen der Kanton Graubünden. Seit 2012 produziert eine ehemalige Videojournalistin Filmbeiträge für den Kanton.

«  Mit kurzen Filmbeiträgen erreichen wir ein jüngeres Publikum.  »

Tamara Kobler
Informationsbeauftragte Graubünden

Die Klickzahlen würden dies bestätigen. Inzwischen würden die Filme rund 30'000 mal pro Jahr angeschaut, sagt Kobler.

Auf eigene News-Videos setzen auch andere Ostschweizer Kantone, etwa der Thurgau. Der Leiter des Informationsdienstes zeigt auf, wie er das Angebot weiterentwickeln will: «Es geht in die Richtung eines News-Portals», sagt Walter Hofstetter.