Keine Chancen für Decoupling im Thurgau

Der Kanton Thurgau hat die Einführung des Decoupling-Modells zur Senkung des Stromverbrauchs geprüft. Weil das Konzept aus Kalifornien dem liberalen Markt entgegensteht, verzichtet der Thurgau auf eine Einführung.

Strommast

Bildlegende: Decoupling: In Kalifornien mit Erfolg eingesetzt, im Thurgau keine Chance, da es gegen den liberalen Markt spricht. Keystone

Jahr für Jahr steigt der Stromverbrauch. In der Schweiz hat er zwischen 1978 und 2008 um 48 Prozent zugenommen, heisst es in einer Statistik des Bundesamtes für Energie. Wäre der Verbrauch stabil geblieben, könnte die Schweiz auf die Kernkraftwerke Mühleberg, Gösgen und Leibstadt verzichten. Anders sieht die Situation in Kalifornien aus. Vor dreissig Jahren führte der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat ein neues Modell ein, seither hat sich der Stromverbrauch stabilisiert. Als erster Schweizer Kanton hat der Thurgau dieses «Decoupling-Modell» geprüft. «Das Decoupling ist eine sehr interessante Idee und in Kalifornien bereits mit Erfolg erprobt. Die Idee hat meine persönliche Sympathie», sagte der Thurgauer Volkswirtschaftsdirektor Kaspar Schläpfer im Februar 2012 im Grossen Rat auf eine Interpellation von EVP-Grossrätin Regula Streckeisen.

In den vergangenen Monaten hat die Kantonsverwaltung die Einführung des Decoupling-Modells geprüft und kommt zum Schluss, dass dieses nicht praktikabel ist: «Es widerspricht der liberalen Marktordnung», so Regierungsrat Schläpfer, der sich dabei auf eine Antwort des Bundesrates beruft. In der Antwort auf den Vorstoss heisst es wörtlich: «Das Decoupling ist grundsätzlich nicht kompatibel mit einem liberalisierten Markt». Zudem führe das Decoupling nicht zwingend zu einer Erhöhung der Energieeffizienz.

So funktioniert Decoupling

Die Energiebehörden einigen sich jedes Jahr mit den Stromkonzernen über den Stromabsatz zu einem festgelegten Preis. Investiert das Stromunternehmen in Sparmassnahmen oder in effizientere Technologien, so nimmt die verkaufte Strommenge ab. Um den festgelegten Umsatz trotzdem zu erreichen, darf nun das Unternehmen den Preis pro Stromeinheit erhöhen.