Kormorane fressen frische Fische

Rund 1200 Kormorane leben rund um den Bodensee. Und die haben Hunger. Eine Studie der Fischerei-Forschungsstelle Baden-Württemberg zeigt jetzt, dass die Raubvögel etwa gleich viele Fische fressen wie die Berufsfischer aus dem Untersee ziehen.

Kormorane

Bildlegende: Gefrässiger Raubvogel: Die Kormorane holen pro Jahr mehrere Tonnen Fisch aus dem Wasser. Keystone

Vor hundert Jahren wurde der Kormoran beinahe ausgerottet. Inzwischen hat er sich erholt. Rund um den Bodensee leben heute 1200 Kormorane. Und diese sorgen für Ärger bei den Fischern. Die Raubvögel würden die Fische wegfressen, wurde in den vergangenen Jahren von Seiten der Fischereiverbände immer wieder argumentiert. Jetzt zeigt eine Studie der Fischerei-Forschungsstelle Baden-Württemberg in Langenargen, wie dramatisch die Situation tatsächlich ist. Die Kormorane fressen etwa gleich viele Fische, wie die Fischer aus dem Untersee ziehen. Besonders gross ist der Hunger bei der Schleie; hier frisst der Kormoran gleich die achtfache Menge der von den Berufsfischern gefangenen Fische.

Wieviele Kormorane auf der Schweizer Seite leben, ist nicht genau bekannt. «Sie sind bis jetzt aber kein grosses Problem», sagt Dominik Thiel vom St.Galler Amt für Natur, Jagd und Fischerei.

Trotzdem wird gehandelt. Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) hat einen Zusatz zur Verordnung über die Schweizer Wasser- und Zugvogelreservate in die Vernehmlassung geschickt. Darin soll festgehalten werden, dass der Kormoran auch in den Reservaten geschossen werden darf, dort also, wo er sich am liebsten aufhält.

Bei den Fischereiverbänden im Thurgau und in St.Gallen sieht man sich durch die Studie bestätigt. Der Kanton habe in der Vergangenheit das Problem heruntergespielt, nun würden die Daten zeigen, dass der Kormoran tatsächlich ein Problem für den Fischbestand sei, so Rolf Gächter, Präsident des St.Galler Fischereiverbandes. Und Christoph Maurer vom Thurgauer Fischerei-Verband gibt zu bedenken, dass der Kormoran nicht nur für die Fischer ein Problem darstelle sondern auch für die Artenvielfalt, da er beispielsweise bei Steckborn den Äschen-Bestand massiv dezimiere. Die Äsche ist ein vom Aussterben bedrohter Fisch.