Eine Mischung aus Politik und Folklore

Bei der Landsgemeinde wird nichts dem Zufall überlassen. Der Ablauf ist minutiös geplant. Nebst der politischen Entscheidungsfindung stehen dabei auch die traditionellen Elemente im Vordergrund.

Politik und Tradition vereint: Die Landsgemeinde in Glarus ist eine jahrhundertealte Tradition.

Bildlegende: Politik und Tradition vereint: Die Landsgemeinde in Glarus ist eine jahrhundertealte Tradition. Reuters

Jeden ersten Sonntag im Mai versammelt sich das Glarner Stimmvolk unter freiem Himmel, um über seine politische Zukunft zu debattieren und abzustimmen. Das vereinte Glarner Volk – die Landsgemeinde – wählt jeweils den Landammann, den Landesstatthalter, die Richter und den Staatsanwalt. Im Vordergrund stehen aber vor allem Verfassungs- und Gesetzgebung, sowie wichtige Sachentscheide. Volk und Politiker feiern an diesem Tag den Willen zur gemeinsamen Gestaltung der Zukunft.

Stolzes Frühstück und Marschmusik

Traditionell beginnt der Tag für die geladenen Gäste beim gemeinsamen Frühstück mit der Glarner Regierung im Hotel Glarnerhof. Dieses Jahr sind dies Vertreter der Genfer Regierung, Bundesrat Johann Schneider-Ammann sowie ranghohe Militärs. Dann geht es weiter ins Regierungsgebäude, wo um 9.30 Uhr der Einzug der Landsgemeinde startet. Dabei spielen alte Symbole eine wichtige Rolle.

Insignien der Macht und Gerichtsbarkeit: Ein Glarner Weibel trägt die typische rote Robe.

Bildlegende: Insignien der Macht und Gerichtsbarkeit: Ein Glarner Weibel trägt die typische rote Robe. Keystone

Der Einzug der Amtsinhaber in den Ring zu Beginn der Landsgemeinde ist ein Verweis auf den Einzug des mittelalterlichen Herrschers. Die Regierung wird von Weibeln in roten Roben begleitet. Die roten Roben, Zepter, Landesschwert und Gerichtsstab symbolisieren dabei die Macht und Gerichtsbarkeit. Musikalisch wird der Einzug von der Harmoniemusik Glarus begleitet, welche seit 1876 den Glarner Landsgemeinde-Einzugsmarsch spielt. Als Nächstes zieht die militärische Ehrenformation ein, ihr folgen Amtsträger und Ehrengäste.

Stimmen per Handzettel

In der Zwischenzeit finden sich die Stimmberechtigten am Zaunplatz im Ortskern ein. An diesem Tag steht dort der Ring zu Glarus. Wenn sich die Bürgerinnen und Bürger im Ring eingefunden haben, wird die Landsgemeinde vom Landamman eröffnet. Nach seiner Rede folgt die gemeinsame Vereidigung auf die Einhaltung der Gesetze des Bundes und des Kanton Glarus. Nun folgt die Wahl der Regierungsvertreter. Alle zwei Jahre werden Landamman und Landesstatthalter neu gewählt. Die Kandidaten werden dabei aus dem zuvor an der Urne gewählten Regierungsrat gestellt. Die Erneuerungswahl der Richter findet alle vier Jahre statt.

Politisieren gibt Hunger: Nach der Landsgemeinde essen die Glarner eine traditionelle «Chalberwurscht».

Bildlegende: Politisieren gibt Hunger: Nach der Landsgemeinde essen die Glarner eine traditionelle «Chalberwurscht». ONZ

Danach folgen die politischen Geschäfte über welche sich die Stimmberechtigten zuvor anhand des «Landsgemeinde-Memorial» informieren konnten. Mit dem Ausspruch «Ds Wort isch frii» wir die politische Bühne für die Stimmberechtigten geöffnet und sie können sich zu Wort melden. Die anschliessende Abstimmung erfolgt danach mit farbigen Stimmrechtskarten, welche die Teilnehmer in die Höhe halten. Am Ende der Landsgemeinde findet der Auszug statt. Die Regierung und ihre Gäste werden zurück ins Ratshaus geleitet, während viele Glarnerinnen und Glarner das nächste Restaurant aufsuchen, zum traditionellen «Chalberwurst-Essen».