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Ostschweiz Maisfrauen und Maismänner schmücken das Dorf Wangs

Jedes Jahr, in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai, hängen die Hintermänner selbstgebastelte Puppen an Strassenlaternen. Um deren Hals hängt ein Schild mit einem Gedicht, das ledige Wangser und Wangserinnen daran erinnern soll, sich einen Lebenspartner zu suchen.

Der Brauch der Maismänner und Maisweiber kann bis Mitte des 19. Jahrhunderts nachgewiesen werden. In vielen Dörfern zierten die Puppen jeweils am 1. Mai die Häuser mancher Bewohner. In Wangs wird diese Tradition noch immer erhalten und gehört zum Dorfleben der kleinen Gemeinde. Nur wer dahinter steckt, bleibt ein Rätsel. Die sogenannten Hintermänner basteln die Puppen an einem geheimen Ort zusammen und verschwinden in der Nacht, um die Maismänner und Maisfrauen an den Laternen anzubringen. Mit einer Leiter steigen sie fast lautlos mehrere Meter hoch und binden die Puppen an. Jede von ihnen hat auch einen Spruch um den Hals hängen wie: «As isch ez wieder 1. Mai drum wimer ez dr Stefa dra erinnere. Wa nützt a schüs Huus und kai Frau. Drum Steffi suech dr doch endli a Frau.»

Unerkannte Unbekannte

Zu den Hintermännern gehören ausschliesslich Männer, die durch Familienmitglieder oder Freunde in die Gruppe kamen. «Ich wurde nicht gefragt, mir wurde einfach gesagt, ich solle heute Abend helfen kommen, und schon war ich dabei», sagt einer von ihnen gegenüber der Sendung «Regionaljournal Ostschweiz» von Radio SRF1. Sie reden nicht über das, was sie in der Nacht auf den 1. Mai machen. Nicht einmal mit ihren Eltern, Frau oder Freundin. Während der Aktion rennen sie bei jedem vorbeifahrenden Auto davon, legen die Leiter ganz leise an die Laterne und steigen lautlos bis unter die Lampe, um die Maispuppen anzubringen. Alles muss schnell gehen. Sie sind in der Regel in verschiedenen Zweiergruppen unterwegs und hängen je nach Jahr 10 bis 20 Maispuppen auf. Dafür benötigen sie jeweils eine knappe Stunde und bleiben meist Unentdeckt.

Schwieriger, wenn es Wochenende ist

Doch nicht immer läuft alles ohne Zwischenfälle ab. Vor allem wenn der 1. Mai auf ein Wochenende fällt, sind auch sehr spät in der Nacht noch viele Leute unterwegs, die die Hintermänner erwischen und erkennen könnten. Auch die Polizei wurde schon eingeschaltet, als ein besorgter Bürger einen hängenden Maismann mit einem echten Menschen verwechselte. Und auch dieses Jahr lief nicht alles glatt, als eine Frau aufwachte und die Hintermänner für Lausbuben hielt, die über ihre Hecke steigen wollten. Doch solche Situationen sind sich die Hintermänner gewöhnt und schaffen es Jahr für Jahr unerkannt zu bleiben und in der Gemeinde Wangs für Schmunzeln zu sorgen.

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