Musliminnen und das Kopftuch

In der Schweiz wird emotional über ein Kopftuchverbot an Schulen debattiert. Befürworter sagen, dass das Kopftuch ein Zeichen der Unterdrückung sei und die Integration behindere. Musliminnen widersprechen. Eine Reportage aus dem St. Galler Rheintal zeigt, was die Betroffenen denken.

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Musliminnen und das Kopftuch

5:29 min, aus Schweiz aktuell vom 10.10.2013

Elisabeth Ponik ist zum Islam übergetreten und trägt seit elf Jahren ein Kopftuch. Der Entscheid, mit dem Kopftuch an die Öffentlichkeit zu gehen, habe viele Jahre gedauert. «Das Kopftuch zu tragen ist heute für mich so normal wie ein Paar Schuhe anziehen», sagt Ponik gegenüber SRF. Die Rheintalerin arbeitet bei der Liechtensteinischen Post und auf einem Bio-Hof. Sie habe noch nie negative Reaktionen bekommen, weil sie sich bedecke.

Elisabeth Poniks Mann kommt aus dem Kosovo. Seine Herkunft habe bei der Entscheidung, die Religion zu wechseln, keine Rolle gespielt. Ihr Mann habe sie als Christin geheiratet und er habe sie nie zum Islam gezwungen. Sie habe sich mit allen Religionen beschäftigt und der Islam habe ihr am meisten zugesagt.

Frauen entscheiden selber

Bei einem Treffen mit Musliminnen in der Moschee in Buchs nehmen die Frauen Stellung zum Kopftuch. Sie widersprechen Politikern und Feministinnen, welche das Kopftuch als Zeichen der Unterdrückung sehen. Die grosse Mehrheit der Frauen dürfe selber entscheiden, ob sie sich bedecken will. Um das Kopftuch zu tragen, brauche man eine tiefe Überzeugung.

Ein Mädchen sei erst nach dem Besuch der Koranschule fähig, frei zu entscheiden, sagt Elisabeth Ponik. Dann sind die Mädchen etwa 13 Jahre alt und würden die wichtigsten Hintergründe kennen. Eine junge Mutter, welche sich seit zwei Jahren bedeckt, ergänzt: «Nur weil ich ein Kopftuch trage, müssen das meine Töchter später nicht tun.»