Nachlass des Psychiatrie-Direktors kommt ins Staatsarchiv

Das Staatsarchiv des Kantons Thurgau hat den Nachlass von Roland Kuhn erhalten. Der frühere Direktor der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen war umstritten. Es geht um Medikamenten-Forschung, Schwangerschaftsabbrüche und Kastrationen.

Das Thurgauer Staatsarchiv hat den Nachlass des früheren Direktors der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen, Roland Kuhn (1912-2005), erhalten. Die Dokumente sollen Aufschluss geben über Kuhns zum Teil kritisiertes Wirken als Arzt, Forscher und Hochschullehrer.

Kuhns Erben haben dem Kanton Thurgau den Nachlass übergeben, damit «offene Fragen auf einer möglichst breiten Quellenlage geklärt werden können». Das hat die Staatskanzlei am Donnerstag mitgeteilt. Zum Nachlass gehöre auch Kuhns weitläufige Korrespondenz.

Die beiden früheren Direktoren der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen, Roland Kuhn und Adolf Zolliker, gerieten in die Kritik. Dabei geht es um den Zusammenhang zwischen Missbrauchsvorwürfen gegen einen Pater des früheren Kinderheims St. Iddazell im Kloster Fischingen. Diese Vorwürfe werden von einer externen Fachstelle aufgearbeitet.

Gutachten und Medikamenten-Forschung

Zur Debatte stehen die ausgedehnte genealogische Forschung Adolf Zollikers, Gutachten der Klinik zu Schwangerschaftsabbrüchen, Sterilisationen und Kastrationen sowie die Medikamenten-Forschung unter der Leitung von Roland Kuhn, wie es in der Mitteilung heisst.

Kuhns Nachlass wird als erstes geordnet und elektronisch verzeichnet. Das Staatsarchiv hatte 2005 und 2006 bereits das Archiv der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen übernommen. Die Regierung will die Psychiatrie im Thurgau in der Zeit von 1930 bis 1970 wissenschaftlich erforschen lassen.