Negativzinsen bereiten den Pensionskassen Sorgen

Die Pensionskassen Thurgau und Graubünden sind letzte Woche mit einem blauen Auge davongekommen – die Verluste halten sich in Grenzen. Aber besorgt sind die Kassen, weil einige Banken Negativzinsen angekündigt haben – und das zwingt sie zu höheren Renditen.

Eine Euro-Münze über dem Formular einer Pensionskasse

Bildlegende: Die Aufhebung der Euro-Mindestkurses macht auch den Pensionskassen zu schaffen. Keystone

Der Kurseinbruch an der Schweizer Börse bekommen auch die Pensionskassen zu spüren. Die St.Galler Pensionskasse zum Beispiel hat letzte Woche rund die Hälfte des Ertrags verloren, den sie 2014 erwirtschaftet habe, sagt der Leiter Benedikt Häfliger.

Damit sei der Deckungsgrad der Kasse um 5 Prozentpunkte gesunken, er betrage jetzt noch rund 100 Prozent. Das ist zwar noch kein Problem, weil die Pensionskasse langfristig anlege. Trotzdem trifft sich der Anlageausschuss zu einer ausserordentlichen Sitzung wegen des Nationalbank-Entscheids.

Besser ist des den kantonalen Pensionskassen im Thurgau und in Graubünden ergangen – sie hatten beide Glück. Die Thurgauer Kasse hatte Ende Jahr noch Obligationen und Fremdwährungen abgestossen – zufällig. Jetzt ist der Deckungsgrad nur um rund 3 Prozentpunkte gesunken. Die Pensionskasse Graubünden hatte sich vor kurzem noch gegen Währungsverluste abgesichert – ebenfalls nicht im Hinblick auf die Aufhebung des Euro-Mindestkurses. Der Rückgang des Deckungsgrads beträgt dort sogar nur rund 1 Prozent.

Mehr Sorgen als der kurzfristige Buchverlust bei den Anlagen bereiten den Pensionskassen die Negativzinsen, welche die Nationalbank angekündigt hat. Die Credit Suisse und die Genfer Banque Pictet wollen diese weitergeben; sie haben die St.Galler Pensionskasse darüber vorinformiert, sagt Häfliger. Das zwinge die Pensionskassen dazu, in risikoreichere Aktien zu investieren. Denn künftig muss die Pensionskasse nicht nur die Beiträge für die Versicherten finanzieren, sondern auch die Zinsen für die Banken.

Die Pensionskassen in den Kantonen Thurgau und Graubünden haben noch keine Ankündigungen erhalten. Sie machen sich jedoch keine Illusionen – und rechnen ebenfalls damit, dass sie künftig Negativzinsen bezahlen müssen.