Ostschweizer Arbeitsmarkt: Zu wenig attraktiv

Attraktive Wirtschaftsregionen ziehen Arbeitskräfte aus dem In- und Ausland an. Die Ostschweiz gehört definitiv nicht dazu. Das zeigt eine Untersuchung des Beratunmgsbüros Ecopol im Auftrag der Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell und der St. Galler Kantonalbank.

Gesprächsituation

Bildlegende: Michael Breu im Gespräch mit Michelle Inauen und Nadia Wittenwiler. SRF

Die Statistik zeigt ein deutliches Bild: 63'000 Erwerbstätige, die in den Kantonen Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, St. Gallen und Thurgau wohnen, verlassen jeden Tag die Ostschweiz, um in einer anderen Region zu arbeiten. Die grosse Mehrheit pendelt dabei nach Zürich. Auf der anderen Seite kommen täglich 30'000 Zupendler in die Ostschweiz zur Arbeit; davon kommen 13'000 aus dem grenznahen Ausland. «Zusätzlich zum negativen Pendlersaldo verliert die Ostschweiz auch Arbeitskräfte, weil jährlich mehr Erwerbspersonen aus der Ostschweiz in andere Regionen der Schweiz umziehen», heisst es in der Ecopol-Studie.

Vor allem die gut ausgebildeten Arbeitskräfte mit einem Hochschulabschluss zieht es weg. Die Studie zeigt: Wer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik studiert, bleibt nach Abschluss der Ausbildung mehrheitich am Studienort. Die jungen Arbeitskräfte bemängeln vor allem fehlende Unternehmen mit internationaler Ausstrahlung. Die Lohndifferenz hingegen spiele nicht die entscheidende Rolle.

Michelle Inauen, derzeit Praktikantin bei der St. Galler Kantonalbank, bringt es auf denn Punkt: «Nur in Zürich kann ich Karriere machen. Ich werde deshalb nicht in St. Gallen studieren, sondern an der ETH Zürich.» Ganz anderer Meinung ist Nadia Wittenwiler, die eine Anstellung in Zürich ablehnte, um weiterhin als Leiterin des Backoffice des Wattwiler IT-Unternehmens iBrows arbeiten zu können: «Für mich ist die Lebensqualität wichtiger, ich bleibe dem Toggenburg treu.»