Ostschweizer Frauenhäuser wollen geheim bleiben

Das Frauenhaus Aargau-Solothurn will seine Adresse bekannt geben. Die Idee: Frauen als Opfer von häuslicher Gewalt sollen sich nicht verstecken müssen. In den Kantonen St. Gallen und Graubünden setzt man ein Fragezeichen hinter das Vorhaben. Ein dickes.

Mann schlägt seine Frau.

Bildlegende: Häusliche Gewalt ist nach wie vor ein Tabu. Keystone

Die Adressen der Frauenhäuser sind geheim. Dies vor allem deshalb, um die Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt geworden sind, vor ihren Partnern zu schützen. Nun will das Frauenhaus Aargau-Solothurn neue Wege gehen. Mit der Veröffentlichung der Adresse soll das Thema häusliche Gewalt enttabuisiert werden. Die Hoffnung: Wenn die Frauenhäuser sichtbar sind, werde auch über das Thema gesprochen.

Transparenz mit Tücken

Im Kanton St. Gallen hält man wenig vom neuen Ansatz. Die Adressen der Frauenhäuser seien deshalb geheim, weil die Frauen vor ihren Partnern oder Männern Sicherheit brauchen. «Wenn wir unsere Adresse freigeben, sind der Schutz und die Sicherheit bedroht», sagt Elisabeth Bossart, Leiterin des St. Galler Frauenhauses. Sie sehe nicht, wie dieses Problem dann gelöst werden könne.

Im Kanton Graubünden teilt man diese Ansicht. Die Leiterin des Frauenhauses Graubünden, Denise Flunser, gibt zudem zu bedenken, dass eine Veröffentlichung der Adresse kontraproduktiv sein könnte. «Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt geworden sind, schämen sich oftmals für das, was ihnen geschehen ist. Wenn das Frauenhaus nun öffentlich gemacht wird, suchen sie es unter Umständen gar nicht mehr auf.»