Risikoorientierter Strafvollzug soll Rückfälle verhindern helfen

Ein Pionierprojekt im Strafvollzug soll Schule machen: Die Kantone St. Gallen und Thurgau haben gemeinsam mit Zürich und Luzern ein System erprobt, wie gefährliche Straftäter sicherer erkannt und wirksamer behandelt werden können. Der Bund betrachtet das System als zukunftsweisend.

Blick in eine Gefängniszelle.

Bildlegende: Blick in eine Gefängniszelle. Das ROS-Projekt könnte wegweisend sein. Keystone

Der Kanton Zürich hat aus den bitterern Erfahrungen gelernt, dass gefährliche Straftäter einen besonderen Umgang brauchen. Der Fall «Hauert» – ein Vergewaltiger, der im Hafturlaub eine Pfadiführerin brutal ermordete – war vor 20 Jahren der Wendepunkt. Die Kantone Zürich, St. Gallen, Thurgau und Luzern haben sich nun zusammen getan, um neue Modelle zu entwickeln.

Am Anfang steht die Triage

Mit dem «Risikoorientierten Sanktionenvollzug» (ROS) sind neue Instrumente entwickelt worden, mit denen die Risikoanalyse und der Umgang mit Gewalt- und Sexualstraftätern verbessert werden sollen. ROS erfolgt in vier Schritten: Triage, Risikoprüfung, Vollzugsplanung, Beurteilung des Fortschritts des Täters.

Das System soll dazu beitragen, Rückfälle von gefährlichen Straftätern zu verhindern. Im Kanton St. Gallen sind 39 und im Thurgau 15 Straftäter einer vertieften Risikoprüfung unterzogen worden. Der Versuch wurde wissenschaftlich ausgewertet. Der Bericht kommt zum Schluss, dass mit ROS ein Fachkonzept vorliege, das einen koordinierten und zielgerichteten Strafvollzug erlaube. Der Bundesrat betrachtet den Versuch als Pionierprojekt, das wegweisend für die ganze Schweiz sein soll.