Seit 25 Jahren stehen Frauen in Appenzell im Ring

1991 durften die Innerrhoder Frauen zum ersten Mal mit den Männern an der Landsgemeinde in Appenzell in den Ring. Dreimal hatten sich die Männer gegen das kantonale Stimm- und Wahlrecht ihrer Frauen gewehrt. 1990 riss bei einigen Appenzellerinnen der Geduldsfaden.

Sie legten beim Bundesgericht eine staatsrechtliche Beschwerde ein und am 27. November bekamen sie Recht: Die Appenzeller handelten verfassungswidrig und mussten ihren Frauen ab sofort das Stimmrecht zugestehen.

Während die Männer wie eh und je mit dem Seitengewehr (Degen) als Stimmausweis in den Ring traten, mussten die Frauen mit den gelben Stimmkarten Vorlieb nehmen. So bestimmte es der Grosse Rat, der unter allen Umständen vermeiden wollte, dass «unvernünftige Frauen» womöglich gar mit Säbel «bewaffnet» im Ring ständen.

An der ersten gemeinsamen Landsgemeinde im April 1991 war die Stimmung unter den durch den Bundesgerichtsentscheid «übergangenen» Männern weniger aggressiv als befürchtet. Die erste Innerrhoder Landsgemeinde mit Frauenbeteiligung sprach sich nach einmaligem Mehr deutlich gegen eine Abschaffung der Landsgemeinde aus. Erstmals nahm auch eine Frau die Gelegenheit wahr, sich zu diesem Thema zu äussern; sie erntete damit viel Applaus.

Erst die zweite Frau in der Regierung

Im Gegensatz zum Parlament sind in der Standeskommission die Frauen auch 25 Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts immer noch untervertreten. Die amtierende Frau Statthalter Antonia Fässler ist erst die zweite Frau in der siebenköpfigen Regierung. 1996 war Ruth Metzler als erste Frau in die Innerrhoder Standeskommission gewählt worden. Sie war Säckelmeister (Finanzdirektorin), bevor sie 1999 in den Bundesrat gewählt wurde.