Späte Entschuldigung

Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) entschuldigt sich offiziell bei Ruth Roduner, weil sich der Gemeindebund nach der Entlassung von Paul Grüninger vor 76 Jahren nicht für den Judenretter einsetzte. Die Tochter des damaligen Polizeikommandanten bekommt nun vom SIG eine Rente.

Ruth Roduner bei einem Referat

Bildlegende: Als Wiedergutmachung bekommt Ruth Roduner-Grüninger vom Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund eine Rente. Keystone

Zwischen 1938 und 1939 hat der damalige St.Galler Polizeikommandant Paul Grüninger mehreren hundert Juden ein Visum für die Einreise in die Schweiz ausgestellt und sie so vor dem Tod gerettet. Weil sich der Fluchthelfer damit gegen die Vorschriften des Kantons wandte, wurde er 1939 vom Dienst suspendiert, und seine Ansprüche auf eine Pension wurden aberkannt.

Auch vom Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund (SIG) erhielt Grüninger keine Unterstützung. 1972 starb der Judenretter verarmt in St.Gallen.

SIG zahlt Rente an Tochter

Nun hat sich der SIG persönlich bei Ruth Roduner-Grüninger, der Tochter von Paul Grüninger, entschuldigt, weil sich der Gemeindebund nicht früher und stärker für ihren Vater eingesetzt habe.

Generalsektretär Jonathan Kreutner bestätigt eine entsprechende Meldung der jüdischen Zeitung «Tachles». Seit vergangenem Jahr bezahlt der SIG der 95-Jährigen auch eine monatliche Rente von tausend Franken.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • «Die Akte Grüninger» - alte Töne zu neuem Film

    Aus Echo der Zeit vom 23.1.2014

    Die Geschichte des St. Galler Polizeihauptmanns Paul Grüninger bewegt noch immer: Er hat Ende der 1930er-Jahre zahlreiche jüdische Flüchtlinge die Schweizer Grenze passieren lassen - gegen den Willen seiner Vorgesetzten. «Die Akte Grüninger» eröffnet die Solothurner Filmtage.

    Peter Maurer hat alte Töne ausgegraben.

    Peter Maurer