St. Galler Raumplanung im Umbruch

Wo wachsen? Und wie viel? Das beschäftigt die St. Galler Politik. Weil es um die Bevölkerung und um Arbeitsplätze geht, möchte das Parlament das Zepter in die Hand nehmen: Es will bei der Raumplanung mehr mitbestimmen können. Politisches Kalkül und raumplanerische Überlegungen prallen aufeinander.

Raumplaner Ueli Strauss

Bildlegende: Der St. Galler Raumplaner Ueli Strauss. SRF

Der St. Galler Kantonsrat hat in der Februarsession entschieden, dass er bei der Raumplanung mitreden kann - bislang war der Erlass des Richtplanes Sache der Regierung und der Verwaltung. Gegen die neue Kompetenz des Rates haben aber Links-Grün, die GLP, Umweltverbände und der Heimatschutz das Referendum ergriffen. Sie fürchten, dass die Zersiedelung im Kanton weiter fortschreitet.

Auch die Regierung will Wachstum

Die Regierung hatte bis 2030 ein mittleres Wachstum des Kantons vorgesehen - eines der drei Wachstumsszenarien tief, mittel und hoch. Der Mehrheit des Rates ist dies zu wenig: Sie möchte ein hohes Wachstum des Kantons - sei es bei den Arbeitsplätzen, sei es bei der Bevölkerung - und hat deshalb die entsprechende Kompetenz bei der Richtplanung zu sich geholt.

«  Verkehrstechnisch gesehen ist es wichtig, dass sich die Zentren weiter verdichten und wachsen »

Ueli Strauss
Raumplaner

Für den obersten St. Galler Raumplaner Ueli Strauss ist die Mitsprache des Rates kein Problem, solange der Rat sich nicht in Details verliere oder regionale Interessen über die Raumplanung stelle, wie er in der Sendung «Regionaljournal Ostschweiz» von SRF 1 sagt. «Das mittlere Wachstumsszenario, wie es die Regierung ursprünglich angenommen hat, ist aber durchaus realistisch und angemessen.»

Auch in Zukunft werde der Kanton seine landschaftlichen Qualitäten beibehalten, ist Strauss überzeugt. Die heutigen Zentren wie etwa Gossau-St.Gallen würden aber weiter an Gewicht gewinnen und in einem Mass wachsen, wie es für ländlichere Gebiete nicht zutreffe.