Stimmung besser als wirtschaftliche Lage

Das Jahr 2015 war geprägt von der Euroschwäche, sinkenden Preisen und schmelzenden Margen. Die meisten Branchen wurden von dieser Entwicklung negativ betroffen. Neben den Dienstleistungsbranchen konnte sich die Bauwirtschaft einmal mehr gut behaupten.

Produktion von Profilsystemen bei Arbonia Forster in Arbon.

Bildlegende: Produktion von Profilsystemen bei Arbonia Forster in Arbon. Keystone

Der aktuelle Ostschweizer Konjunkturindex habe sich zu Jahresbeginn leicht verschlechtert. Dies schreibt das auf Wirtschaftsumfragen spezialisierte St. Galler Beraterunternehmen Ecopol AG in seinem neusten Bericht. Festzustellen sei bei den Unternehmen eine hohe Spannweite zwischen der Beurteilung der Lage und den Erwartungen für die kommenden Monate. So wird die Geschäftslage im Januar 2016 sowohl in der Industrie, als auch im Detailhandel und im Baugewerbe schlechter beurteilt als im Vorquartal, aber die Aussichten werden vor allem in der Industrie freundlicher eingeschätzt. Die Ostschweizer Industrie hofft – vor dem Hintergrund eines etwas schwächeren Frankens – auf ein Anziehen der Nachfrage aus den europäischen Nachbarländern.

Erfolgreiche Maschinen- und Fahrzeugindustrie

Der Frankenschock vom Januar 2015 hat tiefe Spuren in der Exportstatistik des letzten Jahres hinterlassen. Die Ausfuhren der Ostschweiz in die Eurozone sanken um rund 9 Prozent. Zusätzlich wurde die Exportbilanz durch einen Rückgang der Ausfuhren nach China belastet. Dank Preiszugeständnisse konnten die Industriefirmen die Marktanteilsverluste in Grenzen und die Kapazitätsauslastung beinahe konstant halten. Allerdings melden auch im Januar 2016 ein Drittel der Firmen eine weitere Verschlechterung ihrer Ertragslage. Relativ gut zu behaupten wusste sich Ostschweizer Maschinen- und Fahrzeugindustrie. Unzufrieden mit dem Geschäftsgang sind die Metall- und die Textilindustrie, bei denen der Sinkflug anhält. In der Elektrotechnik und der chemisch-pharmazeutischen Industrie hat sich die Geschäftslage leicht verbessert, aber die tiefen Auftragsbestände bereiten nach wie vor Sorgen.

Detailhandel auf Mehrjahrestief

Die Detailhändler haben ein aussergewöhnlich schlechtes Jahr hinter sich. Zeichen dafür sind sinkende Umsätze infolge des wachsenden Einkaufstourismus und tieferer Preise sowie kleinere Margen. Steigende Einkommen, eine anhaltende Zuwanderung und die Aussichten auf einen etwas stärker werdenden Euro sprechen im laufenden Jahr für eine leichte Zunahme der Detailhandelsumsätze. Bereits in den kommenden Monaten erwarten die Ostschweizer Detaillisten eine Verbesserung der Situation.

Gesamthaft solide Baukonjunktur

Die Mehrheit der Bauunternehmer ist mit der Geschäftslage und dem Auftragsbestand durchaus zufrieden. Von einer hohen Bautätigkeit im Wohnungsbereich profitieren der Hochbau und das Ausbaugewerbe. Das Investitionsvolumen der eingereichten Baugesuche verspricht für die kommenden Monate eine hohe Stabilität, wenn auch die Zeiten des steilen Wachstums der Vergangenheit angehören. Weniger gut ist die Stimmung im Tiefbau, in welcher eine stark abnehmende Dynamik eingesetzt hat. Die Bremsspuren zeigen sich in einer ungenügenden Nachfrage und Ertragslage.