Demokratie Streiten ums Stimmrechtsalter 16

Abstimmen und wählen mit 16 Jahren. Das fordern Jungparteien in verschiedenen Kantonen. Auch im Thurgau. Eine entsprechende Initiative möchte das Stimmrechtsalter 16. Zwei Jungpartei-Präsidenten streiten sich.

Streitgespräch zwischen Irina Meyer und Sascha Schmid

Irina Meyer ist Präsidentin der Jungen GLP des Kantons Thurgau, 23 Jahre alt, Architekturstudentin. Sie ist für das Stimmrecht ab 16.
Sascha Schmid ist Co-Präsident der Jungen SVP des Kantons St. Gallen, 23 Jahre alt, Wirtschaftsstudent und St. Galler Kantonsrat. Er ist gegen das Stimmrecht ab 16.
Braucht es das Stimmrechtsalter 16?
Ja, ich kam über die Jugendsession zur Politik . Es hat mich
aber immer gestört, dass ich über die Sachen im Kanton und der Gemeinde nicht mitbestimmen durfte.

Braucht es das Stimmrechtsalter 16?
Nein, ich ging nicht in die Politik, weil ich abstimmen durfte, sondern weil es mich immer interessiert hat. So war auch ich an der Jugendsession.
Mit 16 Jahren können die Jungen bereits entscheiden, für eine Lehre zum Beispiel, deshalb sollten sie sich auch für die Politik interessieren.

Es gibt keinen Bedarf. Das Stimmrecht ist mit Pflichten verbunden. Man wird erst mit 18 mündig. Die Gefahr ist, dass man bis dahin noch abhängig von den Eltern ist.
Wir wollen kein generelles Stimmrecht, sondern eines auf Anfrage. Damit müssen die Jugendlichen beweisen, dass sie auch wollen.

Das Problem ist anders. Wir müssen Themen bringen, die die
Jungen interessieren, nicht das Alter heruntersetzen. Die 18-Jährigen gehen ja auch nicht abstimmen.

Es ist wichtig, dass die Jungen spüren, dass sie wichtig für
die Zukunft sind und bei Abstimmungen etwas bewirken können.

Das heutige System ist gut so, wie es ist. Es ist doch an uns
Jungparteien, die Jungen für Politik zu begeistern. Da hilft ein tiefes
Stimmrechtsalter nicht.

Porträt Lukas Golder

Bildlegende: Lukas Golder erforscht am Meinungsforschungsinstitut gfs in Bern die Jugend in der Politik. gfs.bern ag

Einschätzungen Lukas Golder:

  • Der Trump-Effekt brachte viele Junge zur Politik. Wir gehen davon aus, dass Junge die sich ernsthaft für Politik interessieren, früher oder später sowieso in die Politik gehen.
  • Ein Stimmrecht 16 würde keinen Erdrutsch auslösen, es sind wenige, die dann tatsächlich abstimmen gehen. Es geht wohl eher darum Elemente zu finden, die Jugendliche grundsätzlich an der Politik interessieren.
  • Die 16-25-Jährigen ticken im Moment eher rechter als die ältere Generation, sie wählen grundsätzlich in etwas gleich wie die ältere Generation.
  • Ein Stimmrecht 16 würde gerade an die Schulen ein starkes Signal senden, politische Bildung zu fördern. Irgendwo müssen die Kompetenzen ausgebildet werden.

Meinungen der Schüler der 3. Sekundarklasse des Schulhaus Quader in Chur:

«Wir sind die spätere Generation. Uns werden die heutigen Abstimmungsresultate später Probleme oder Glück bringen.»

«Heute bestimmen wir die Zukunft, welche uns betrifft.»

«Viele der aktuellen Initiativen betreffen uns eventuell. Aber viele von uns wissen vielleicht nicht, um was es geht.»

«Jugendliche könnten von den Eltern beeinflusst werden, wenn sie nicht wissen, um was es geht.»

Die Junge GLP Thurgau setzt sich für das Stimmrechtsalter 16 ein. Dieses soll «auf Anfrage» erlangt werden können. Das heisst: Jugendliche, die politisch mitbestimmen wollen, müssen persönlich einen Eintrag beim Wahlbüro in ihrer Wohngemeinde beantragen.

Der Kanton Glarus kennt bereits das Stimmrechtsalter 16. Die Jugendlichen dürfen über kantonale und kommunale Vorlagen abstimmen. Das Wählbarkeitsalter liegt aber bei 18 Jahren.

Die Junge GLP macht sich auch in den Kantonen Aargau, Waadt sowie in den beiden Basel stark für das Stimmrecht ab 16.

SRF 1, Regionaljournal Ostschweiz und Graubünden, 17.30 Uhr; dütr